Konsolidierung der Branche kommt in Gang
Börse London lehnt Frankfurts Angebot ab

Die Deutsche Börse will im zweiten Anlauf die Börse in London übernehmen, stößt aber mit ihrem Angebot auf Ablehnung.

HB LONDON/FRANKFURT. Das Unternehmen machte einen Übernahmevorschlag von 5,30 Pfund pro Aktie der London Stock Exchange (LSE) oder umgerechnet 1,35 Milliarden Pfund (1,95 Mrd. Euro) in bar, was die Führung des britischen Handelsplatzes als zu niedrig ansah. Nun sollen neue Gespräche über einen möglicherweise „deutlich verbesserten Vorschlag“ aufgenommen werden, teilte die LSE mit. Eine Fusion der beiden Handelsplätze unter dem Namen „iX“ war bereits im Jahr 2000 gescheitert. Ein Zusammenschluss der Deutschen mit der Schweizer Börse SWX war in diesem Jahr ebenfalls nicht zustande gekommen.

Noch sei offen, ob überhaupt ein offizielles Angebot unterbreitet wird, teilte die Deutsche Börse mit. Die im Dax notierte Aktie des Finanzdienstleisters gab am Vormittag um 4,11 Prozent auf 42,70 Euro nach, während das Papier der Londoner Börse einen Sprung um 24,21 Prozent auf 5,28 Pfund machte und sich damit dem beabsichtigten Angebotspreis näherte. Der Kurs war in den vergangenen Wochen in Erwartung von Übernahmeangeboten bereits in die Höhe geschnellt. Nach Einschätzung von Beobachtern könnte ein förmliches Angebot eine Übernahmeschlacht auslösen, falls der Rivale Euronext ebenfalls seinen Hut in den Ring wirft.

Die Deutsche Börse will im Fall einer Übernahme die Marktmodelle, Handelswährungen und die regulatorischen Rahmenbedingungen in London und Frankfurt beibehalten. Dafür würden die Gebühren im elektronischen Handel in Großbritannien deutlich gesenkt. Die LSE betonte, es sei völlig unklar, ob die geplante Verkaufstransaktion hätte umgesetzt werden können. Die größten Aktionäre der Londoner Börse sind Investmentfonds und Banken, darunter auch die Deutsche Bank.

Erster Übernahmeversuch im Jahr 2000 gescheitert

Die LSE, die fusionierte Börse Euronext in Amsterdam, Brüssel und Paris und die Deutsche Börse sind die drei größten europäischen Handelsplätze - über die genaue Reihenfolge entscheidet das jeweilige Vergleichskriterium. Die LSE ist zwar gemessen am Börsenwert der an ihr notierten Unternehmen die Nummer eins. Doch ihr eigener Wert an der Börse ist niedriger als der von Euronext und dem Spitzenreiter Deutsche Börse, die sich damit in der Rolle des Angreifers wiederfindet. Fusionen würden den verbleibenden unabhängigen Börsenbetreibern nach Einschätzung von Branchenexperten klare Kostenvorteile bringen und auch von Großinvestoren begrüßt. Die Londoner Börse gilt außerdem als Übernahmekandidat, weil sie einseitig auf den klassischen Wertpapierhandel ausgerichtet ist, während die Deutsche Börse zum Beispiel auch in der Abrechnung von Transaktionen sowie der Aufbewahrung von Wertpapieren aktiv ist und gemeinsam mit dem Schweizer Handelsplatz die größte Terminbörse der Welt Eurex betreibt.

Die Fusion der Frankfurter und Londoner Börse war im Herbst 2000 in letzter Minute an einem feindlichen Übernahmeangebot vom Betreiber des Stockholmer Handelsplatzes, der schwedischen OM-Gruppe, gescheitert. Geplant war, den Handel mit Dax-Aktien in London anzusiedeln. Das zu Zeiten der „New Economy“ noch hoch eingeschätzte Geschäft mit Wachstumswerten sollte dafür komplett in Frankfurt abgewickelt werden.

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