Konsortialbanken garantieren Kapitalerhöhung – Wandelanleihe vorerst kein Thema
Karstadt-Management muss Überzeugungsarbeit leisten

Der Handelskonzern Karstadt-Quelle erzielt für seine Aktien aus der Kapitalerhöhung einen höheren Preis als erwartet. Die Konsortialführer ABN Amro und Dresdner Kleinwort Wasserstein garantieren einen Ausgabepreis von 5,75 Euro je Aktie.

FRANKFURT/M. Fondsmanager und Analysten hatten nur mit vier bis 5,38 Euro gerechnet. Der Abschlag von 27 Prozent zum Schlusskurs vom Donnerstag liege im Durchschnitt der Kapitalerhöhungen in Europa in den vergangenen Monaten, hieß es in mit der Transaktion vertrauten Kreisen.

Dem angeschlagenen Unternehmen fließen durch die Kapitalerhöhung rund 535 Mill. Euro zu. Damit erhält Karstadt 35 Mill. Euro mehr als ursprünglich geplant und kann die Eigenkapitalquote weiter verbessern. Der Konzern sei nun gerettet, sagte Unternehmenssprecher Jörg Howe am Freitag nach dem planmäßigen Start der Kapitalerhöhung. Jetzt werde man sich voll auf das Weihnachtsgeschäft konzentrieren.

Am Donnerstagabend hatte das Management in letzter Minute eine Gruppe von Kleinaktionären dazu bewegen können, die Blockade der Kapitalerhöhung aufzugeben. Ansonsten hätte dem Konzern laut Middelhoff die Insolvenz gedroht. Das Unternehmen hatte den Kleinaktionären im Gegenzug zu ihrer Zustimmung zur Ausgabe von rund 93 Millionen neuen Aktien mehr Informationen über die Sanierungspläne und die damit verbundenen Risiken zugestanden. Mit dem Einlenken wurde zudem die Verlängerung eines Milliardenkredits gesichert. Der Handelskonzern kann nun wie geplant auf einen Kreditrahmen von 1,75 Mrd. Euro in den kommenden drei Jahren zurückgreifen.

Dagegen wird Karstadt zur Stützung seines milliardenschweren Sanierungsprogramms vorläufig keine Anleihe begeben, die in Aktien gewandelt werden kann. Am Freitag waren Spekulationen über eine Wandelanleihe im Volumen von mindestens 125 Mill. Euro aufgekommen. Doch würde eine solche Emission die Kapitalerhöhung gefährden, hieß es in Bankenkreisen. Deswegen könne eine derartige Anleihe erst 2005 begeben werden. Der Konzern hatte auf seiner außerordentlichen Hauptversammlung am Montag die Möglichkeit einer Emission einer Wandelanleihe erwähnt, die konkrete Umsetzung aber offen gelassen.

Die Aktionäre können bei der Kapitalerhöhung für je acht alte Anteilsscheine sieben neue Aktien beziehen. Die beiden Großaktionäre Madeleine Schickedanz, die 41,6 Prozent von Karstadt-Quelle hält, und Allianz mit einem Anteil von 10,5 Prozent, haben sich zum Bezug verpflichtet. Die übrigen Aktionäre können die neuen Aktien zwischen dem 30. November und dem 13. Dezember beziehen. Die erste Börsennotiz ist für den 14. Dezember vorgesehen.

Wie sich die Aktionäre neben Frau Schickedanz und Allianz entscheiden ist unklar. Viel wird von den Präsentationen des Karstadt-Vorstands bei institutionellen Investoren in Europa und den USA in den nächsten zwei Wochen abhängen. „Auf Basis der aktuellen Ergebnisschätzungen von Karstadt-Quelle erscheinen die neuen Aktien attraktiv“, sagte Thomas Jökel, Fondsmanager bei Union-Investment. Entscheidend werde die neue Strategie des Vorstands sein. „Wir machen deshalb unsere Entscheidung, ob wir die neuen Aktien beziehen, vom Treffen mit dem Management im Rahmen der Road Show in der nächsten Woche abhängig“, betonte Jökel. Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank zeigte sich ebenfalls vorsichtig. Die Kapitalerhöhung sichere Karstadt in den kommenden Monaten die Liquidität, „aber das bedeutet noch nicht den endgültigen finanziellen Erfolg für das Restrukturierungsprogramm“.

Auch nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) müssen sich die Anleger „sehr genau überlegen“, ob sie bei der Kapitalerhöhung mitziehen. Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Ekkehard Wenger warf den Banken vor, die Krise bei Karstadt auszunutzen. Die Institute hätten sich bei dem Sanierungspaket höhere Zinsen einräumen lassen. Während die Zinsmarge der Banken bisher bei 0,5 bis 1 Prozent gelegen habe, seien es jetzt 2,75 bis 3,5 Prozent, sagte er Reuters.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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