Konsum
Schwarzer August für deutsche Einzelhändler

Die Einzelhändler haben im August drei Prozent weniger Umsatz gemacht, der größte Rückgang seit vier Jahren. Experten lassen sich von dieser Hiobsbotschaft allerdings nicht schrecken. Ganz im Gegenteil.
  • 4

Berlin/WiesbadenDer Umsatz der Einzelhändler ist im August gegenüber dem Vormonat deutlich zurückgegangen. Er sank im Vergleich zum Juli preisbereinigt um 2,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Juni waren die Umsätze noch um kräftige vier Prozent gestiegen, im Juli immerhin noch um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat. „Einen größeren Rückgang gab es zuletzt im Mai 2007“, sagte ein Statistiker zur Nachrichtenagentur Reuters. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet.

Im Vergleich zum August 2010 stiegen die Umsätze preisbereinigt um 2,2 Prozent. Allerdings habe der August in diesem Jahr auch einen Verkaufstag mehr gehabt, teilten die Statistiker mit. Der Einzelhandel rechnet für das Gesamtjahr mit einem nominalen Wachstum von 1,5 Prozent. Inflationsbereinigt läge das Wachstum damit bei null. Im Jahr 2010 waren die Umsätze nach dem Krisenjahr 2009 noch um preisbereinigt 1,4 Prozent angestiegen.

Trotzdem bewerten Analysten die Zahlen des Einzelhandels durchaus positiv. Alexander Koch von der Bank Unicredit sagte: „Trotz des starken Rückgang liegt der Umsatz in den ersten beiden Monaten des dritten Quartals immer noch um 0,8 Prozent über dem Niveau des Vorquartals. Das spricht dafür, dass der private Konsum das Wachstum im Sommer angeschoben hat. Eine negative Trendwende ist das nicht, dem müsste schon ein Einbruch der Weltwirtschaft und der deutschen Exporte vorausgehen. Wir rechnen nicht mit einem Einbruch des Konsums, trotz gestiegener Risiken wie der Schuldenkrise. Im Gegenteil: Er dürfte die Konjunktur stabilisieren.“ Für Ralph Solveen von der Commerzbank schwanken die Daten "hin und her". Trotz des des deutlichen Rückgangs liege der Einzelhandelsumsatz immer noch über dem Niveau des zweiten Quartals. Tendenziell geht Solveen eher von einem steigenden Konsum im dritten Quartal aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Konsum: Schwarzer August für deutsche Einzelhändler"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Inflationsbereinigt liegt das Wachstum nicht bei null, sondern im Minus. Das ist dann kein Wachstum, sondern Rezession. Man will es immer noch nicht wahrhaben und redet es sich schön...genauso die vielen Mio Arbeitslosen, die gar nicht in der Statistik stehen.

  • Wenn ich z. Zt. real-life in die Läden und Einkaufswägen gucke, kann da keine Umsatzsteigerung sein. Jedenfalls nicht im Binnenmarkt.

    Was die Großkonzerne so als staats-geschützten Umsatz verbuchen, dürfte für den Endverbraucher m. M. weniger relevant sein.

    Warten wir das Weihnachtsgeschäft ab, mit dem vermutlich der große Teil unserer Wirtschaft hofft, sich noch ein Weilchen aus dem Sumpf zu ziehen ...

  • Aufs Jahr gerechnet Stagnation...

    gepaart mit der erneut gestiegenen Neuverschuldung
    relativiert sich die Statistik der Rekordbeschäftigung/ niedrigste Arbeitslosenrate seit 20 Jahren (6,6%) da wieder.

    Leistung wird erbracht - aber mehr Wohlstand? -> nicht in der Masse.

    "irgendwo" scheint der erbrachte Mehrwert zu versickern ....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%