Konsumeinbruch
Weihnachtsgeschäft in den USA schwächelt

Viele Industriebereiche in den USA stellen sich auf ein schweres Jahr 2007 ein. Während die Auto-Riesen schon am Boden liegen und die Handelskonzerne nach einer tristen Prognose des Marktführers Wal-Mart um ihr Weihnachtsgeschäft bangen, sendet auch die Fertigungsindustrie im Zuge des rückläufigen Immobilienmarkts negative Signale.

NEW YORK. Die jüngsten Zahlen des Institute for Supply Management (ISM) zeigen, dass die Bereiche Holz, Möbel, Hausgeräte, Industriemetalle sowie der Transportsektor im November geringer Umsätze verbucht haben. Zwar sieht es im Dienstleistungsbereich deutlich besser aus als in der Industrie. Dennoch mehren sich die Befürchtungen in den USA, die Wirtschaft könne 2007 nach Jahren guten Wachstums in einigen zentralen Branchen unsanft landen. Die Analysten von Moody’s rechnen inzwischen damit, dass allein die Immobilienindustrie im nächsten Jahr 300 000 Mitarbeiter weniger beschäftigen wird; nach einem Abbau von bereits 100 000 Stellen im laufenden Jahr. „Der Arbeitsmarkt ist in deutlich schlechterer Verfassung als 2005; das deutet auf ein gedämpftes Weihnachtsgeschäft hin“, sagte Moody’s-Ökonom Zoltan Pozsar.

Auch die jüngsten Nachrichten von Wal-Mart zeigen in diese Richtung. Der Handelsriese aus Bentonville, Arkansas, räumte im November erstmals seit mehr als zehn Jahren leichte Rückgänge der Verkaufserlöse ein, kündigte weitere Preissenkungen an und warnte vor einem verhaltenen Weihnachtsgeschäft. Zwar kämpft der Konzern auch mit eigenen (Image-)Problemen, die den Konkurrenten Marktanteilsgewinne bringen.

Dennoch hat der trübe Ausblick von Wal-Mart-Chef Lee Scott in den USA auch branchenübergreifende Bedeutung: Immerhin ist Wal-Mart mit 330 Mrd. Dollar Umsatz (davon 240 Mrd. Dollar im Heimatmarkt) nicht nur der größte Lebensmittel- und Bekleidungshändler in den USA. Er erzielt in seinen fast 4 000 Märkten auch die höchsten Drogerie-Erlöse und vertreibt zudem die meisten Hauselektronikgeräte, DVDs und Spielzeuge. Dabei führt der Konzern seine Schwäche weitgehend auf die Renovierungarbeiten in vielen Warenhäusern zurück, die auf die Käuferlaune drücken. Experten indes verweisen darauf, dass sich Wal-Mart in den USA inzwischen selber kannibalisiere. Der Konzern habe sich derart ausgebreitet, dass jedes neue Kaufhaus die Erlöse bestehender Märkte in der Umgebung belaste.

Auch für den Rest der Branche scheint sich die Lage einzutrüben: Der Konsumklima-Index der Universität Michigan zeigt an, dass die bisher so kauffreudigen US-Verbraucher den Gürtel im Dezember enger schnallen. Der Indexwert ist seit November von 92,1 auf 90,2 gefallen. Die Konsumentenkredite sanken zuletzt ebenso um 1,2 Mrd. Dollar, während Ökonomen mit einem Anstieg von vier Mrd. Dollar gerechnet hatten.

Analysten nennen viele Faktoren für den getrübten Ausblick auf 2007: Die hohen Benzinpreise, die das verfügbare Einkommen der Konsumenten verringern; der schwächere Häusermarkt sowie die Furcht vor weiteren Zinserhöhungen. Zwar gebe es bisher keine Anzeichen für einen dramatischen Einbruch des Konsums in den USA, sagte der Chefökonom der Beratungsfirma MFR, Joshua Shapiro: In den nächsten Quartalen seien aber – insbesondere wegen des sich abkühlenden Immobilienmarktes – „bescheidene Verkaufszahlen das wahrscheinlichste Szenario“.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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