Konsumgüter-Riesen Kraft Heinz will Unilever übernehmen

Warren Buffett und der Finanzinvestor 3G wollen einen globalen Konsumgüterriesen aufbauen. Jetzt folgt der nächste Schritt: Ketchup-Hersteller Kraft Heinz soll Unilever übernehmen. Doch dieser wehrt sich noch.
Update: 17.02.2017 - 14:42 Uhr 4 Kommentare
Der Ketchup-Hersteller will Unilever übernehmen. Quelle: AP
Kraft Heinz

Der Ketchup-Hersteller will Unilever übernehmen.

(Foto: AP)

HamburgDer US-Nahrungsmittelriese Kraft Heinz setzt seinen aggressiven Expansionskurs fort. Man habe ein Gebot für den britisch-niederländischen Dove-Hersteller Unilever abgegeben, teilte Kraft am Freitag mit. Das Unilever-Management um Vorstandschef Paul Polman wies die auf 143 Milliarden Dollar bezifferte Angebot allerdings zurück. Unilever sieht sich durch die Offerte „fundamental unterbewertet“, gibt aber auch strategische Gründe an. Für weitere Gespräche sehe man keine Grundlage.

Kraft Heinz kündigte an, dennoch daran zu arbeiten, dass es noch zu einer Transaktion komme. Das vorgelegte Angebot entspricht einem Aufpreis von 18 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs der Unilever-Aktie vom Donnerstag.

Hinter dem US-Konzern steht als treibende Kraft der Finanzinvestor 3G, der bereits 2015 den auf die USA konzentrierten Lebensmittelkonzern Kraft mit dem Ketchup-Hersteller H.J. Heinz fusioniert hat. Ein weiterer großer Investoren ist der Milliardär Warren Buffett und dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Mit an Bord mit einem Minderheitsanteil ist zudem die deutsche Chemie-Erben-Dynastie Reimann. Zuletzt war spekuliert worden, Kraft Heinz könne Appetit auf das Snackgeschäft von Mondelez mit Marken wie Oreo und Milka haben. Mondelez und Kraft waren bis 2012 ein gemeinsamer Konzern.

Diese Konzerne versorgen die Welt
Platz 41 – Henkel
1 von 11

Die Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants hat erneut die größten Konsumgüterhersteller der Welt ermittelt. Als einziges deutsches Unternehmen unter den Top 50 bleibt der Persil-Hersteller Henkel wie im Vorjahr auf dem 41. Rang – mit einem Umsatz von fast 10 Milliarden US-Dollar.

Quelle: OC&C

Platz 10 – L'Oréal
2 von 11

L’Oréal ist der weltgrößte Kosmetikkonzern. Die Franzosen überzeugen mit zahlreichen starken Marken.

Platz 9 – Mondelez
3 von 11

Mondelez ist eine Abspaltung von Kraft Foods. Er bündelt das weltweite Snackgeschäft, außerdem die Kaffee-Aktivitäten. Das macht den Konzern zum Konkurrenten von Nestlé. Allerdings werden die Kaffeemarken rund um Jacobs unter der Führung der deutschen Industriellen-Familie Reimann mit dem niederländischen Konzern DE Master Blenders verbunden.

Platz 8 – Tyson Foods
4 von 11

Tyson Foods ist in den USA bekannt. Der Konzern gehört zu den weltgrößten Fleischverarbeitern. 2015 machte Tyson einen Umsatz von 41,4 Milliarden Dollar.

Platz 7 – AB Inbev
5 von 11

Der Bierbrauer AB Inbev ist durch viele Übernahmen zum Weltspieler geworden. Er treibt die Konsolidierung der Branche voran – und fusioniert derzeit mit dem größten Rivalen SAB Miller. In Deutschland ist er mit Marken wie Beck’s, Corona und Lübzer vertreten.

Platz 6 – Coca Cola
6 von 11

Coca-Cola liegt deutlich hinter Pepsi. Denn anders als der Rivale hat der Konzern aus Atlanta kein großes Snackgeschäft. Dafür hat er zuletzt bei Verbrauchern Sympathien mit seiner Kampagne, Namen auf Dosen und Flaschen zu schreiben, gewonnen – und mit Innovationen wie Kokoswasser und Coke Life mit Stevia.

Platz 5 – JBS
7 von 11

JBS ist eher unbekannt in Europa. Dabei gehört der brasilianische Fleischproduzent zu den ganz großen Konzernen der Konsumgüterbranche mit 47,9 Milliarden Dollar Umsatz.

Kraft Heinz teilte mit, das Unternehmen sei zuversichtlich, noch eine Übereinkunft mit Unilever erzielen zu können. Es sei jedoch unsicher, ob es tatsächlich ein neues Gebot geben werde. Kraft Heinz kam 2016 auf einen Umsatz von 26,5 Milliarden Dollar Umsatz. Mit 52,7 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr ist Unilever deutlich größer. Beide Unternehmen könnten sich weitgehend ergänzen: Unilever ist vor allem bei Reinigungsmitteln und Kosmetik stark, hat sein Lebensmittelgeschäft jedoch in den vergangenen Jahren reduziert. Aktuell gehört die Margarine-Sparte noch zum Konzern, wird aber bereits so geführt, dass sie jederzeit verkauft werden könnte. Marken wie Langnese-Eis und Knorr sind jedoch bislang fester Bestandteil.

Die Unilever-Aktien stiegen an der Londoner Börse um bis zu 14,2 Prozent auf ein Rekordhoch von 3824 Pence. Das Unternehmen wäre an der Börse derzeit etwa 112 Milliarden Pfund (rund 131 Milliarden Euro) wert. Das Kraft-Heinz-Papier tendierte nach anfänglichen Verlusten im vorbörslichen US-Geschäft etwa vier Prozent fester.

Anleger wetteten auf eine Fusion, sagten Börsianer. Investoren setzten auf ein Gebot von 4000 Pence je Unilever-Aktie, fügte einer von ihnen hinzu. Gleichzeitig hofften sie auf weitere Zusammenschlüsse in der Branche. Die Papiere der Konkurrenten Beiersdorf, Danone, Henkel und Nestlé stiegen um bis zu 3,2 Prozent.

Bereits im vergangenen November hatte es unbestätigte Berichte gegeben, wonach 3G, hinter dem der Brasilianische Milliardär Jorge Paulo Lemann steht, zwischen acht und zehn Milliarden Dollar einsammle, um einen weiteren Konsumgüterkonzern zuzukaufen. Lemann, ein Harvard-Absolvent mit Schweizer Wurzeln, wurde durch Deals im brasilianischen Brausektor rund um die heutige Großbrauerei AB Inbev schwer reich.

Der 77-jährige Geschäftsmann hält gute Kontakte in die Investment-Szene: Auch US-Großinvestor Warren Buffett ist an dem Heinz-Kraft-Deal beteiligt. Das Unternehmen macht mehr als 22 Prozent des Werts seines gesamten Portfolios aus. Buffett hatte sich wiederholt positiv über 3G geäußert.

In Amerika haben in den vergangenen Jahren Investoren die Branche aggressiv umgepflügt. Nun könnten auch verstärkt europäische Konzerne ins Visier geraten. Der Investor Nelson Peltz etwa war maßgeblich an der Abspaltung der „Milka“-Firma Mondelez von Kraft Foods beteiligt. Auch bei Pepsi hatte sich Peltz eingekauft – scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränke- und Snackriesen aufzuspalten.

Das runderneuerte Portfolio von Warren Buffett

MONSANTO CO. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US61166W1018
Börse
L&S

+0,50 +0,51%
+98,79€
Chart von MONSANTO CO. REGISTERED SHARES DL -,01
Monsanto
1 von 49

Der Zeitpunkt war günstig: Kurz vor der geplanten Übernahme durch den deutschen Chemieriesen Bayer stieg Buffett im vierten Quartal 2016 bei dem US-Saatgutkonzern Monsanto ein. Seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway kaufte acht Millionen Papiere des Konzerns. Die anstehende Übernahme durch Bayer könnte die Kurse weiter steigen lassen.

Buffetts Anteile: 8,04 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: unverändert

SIRIUS XM HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US82968B1035
Börse
L&S

+0,01 +0,22%
+5,09€
Chart von SIRIUS XM HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Sirius XM
2 von 49

Aufgestockt (5/6)

Sirius XM ist ein US-amerikanischer Satellitenradio-Anbieter aus New York City mit Sitz im US-Niedrigsteuerstaat Delaware. Er gehört mehrheitlich dem Medienkonzern Liberty Media, an dem Warren Buffett ebenfalls beteiligt war. Erst im letzten Quartal 2016 stieg der Investor mit knapp 800 Millionen Dollar beim Unternehmen ein und baute damit seine Beteiligungsfamilie im Mediensektor aus. Im ersten Quartal 2017 stockte Buffett seine Anteile leicht auf.

Buffetts Anteile: mehr als 172 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 3,4 Prozent
Wert der Beteiligung: 823,7 Millionen Dollar

SOUTHWEST AIRLINES CO. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US8447411088
Börse
L&S

+0,44 +0,95%
+47,01€
Chart von SOUTHWEST AIRLINES CO. REGISTERED SHARES DL 1
Southwest Airlines
3 von 49

Aufgestockt (6/6)

Southwest Airlines ist eine große US-amerikanische Fluggesellschaft. Fast alle Airlines in den USA haben in den vergangenen Jahren Schwächephasen durchlitten, gingen durch Insolvenzverfahren oder fusionierten. Das hat Starinvestor Warren Buffett lange abgehalten, in Fluggesellschaften zu investieren. Ein erfolgloses Investment in US Airways von 1989 bis 1995 (75 Prozent Verlust) soll Sodbrennen bei dem Milliardär ausgelöst haben – seitdem hielt er die Branche für gefährlich. Doch im Herbst 2016 holte er gleich vier Titel ins Portfolio. Sein Engagement bei der Airline mit Hauptsitzt in Dallas, Texas, baute er im ersten Jahresquartal 2017 ebenso aus wie das bei American Airlines.

Buffetts Anteile: knapp 48 Millionen Stück
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 10,3 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,8 Milliarden Dollar

DEERE & CO. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US2441991054
Börse
L&S

-0,75 -0,55%
+134,96€
Chart von DEERE & CO. REGISTERED SHARES DL 1
Deere & Company
4 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (1/5)

Einen Teil seiner Aktien des Traktorherstellers Deere hatte der Investor im dritten Quartal 2015 abgestoßen, nachdem er im ersten Quartal 2015 leicht aufgestockt hatte. Im zweiten Quartal 2016 verkaufte er, auch im dritten Quartal reduzierte er den Anteil. Im Schlussquartal 2016 flog Deere nun komplett aus dem Portfolio.

Buffetts Anteile: 0 (zuletzt 21,09 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

KINDER MORGAN INC. REGISTERED SHARES P DL -,01

WKN
ISIN
US49456B1017
Börse
L&S

-0,54 -3,79%
+13,80€
Chart von KINDER MORGAN INC. REGISTERED SHARES P DL -,01
Kinder Morgan
5 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (2/5)

Der Ölpreis ist noch immer weit von seinen Höchstständen entfernt. Bereits im dritten Quartal reduzierte Warren Buffett seine Anteile an dem amerikanischen Energie-Giganten Kinder Morgan – im vierten Quartal stieß er das Investment gleich ganz ab. Offensichtlich glaubt Buffett nicht, dass die Vorliebe des neuen US-Präsidenten Donald Trump für fossile Energien sich positiv auf den Kurs Kinder Morgans auswirken wird.

Buffetts Anteile: 0 (zuletzt 20 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH.A FORMULA ONE GP DL-,01

WKN
ISIN
US5312298707
Börse
L&S

-2,80 -9,67%
+26,68€
Chart von LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH.A FORMULA ONE GP DL-,01
Liberty Media
6 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (3/5)

Das US-Medienunternehmen Liberty Media gehört mehrheitlich dem Medienmogul John Malone. Buffett ist nun ausgestiegen, dafür beim Satellitenradioanbieter Sirius, einer Liberty-Beteiligung, eingestiegen.

Buffetts Anteile: 0 (zuvor 1,3 Millionen Stück (Class A) sowie circa 3,19 Millionen Stück (Class C))
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

NOW INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US67011P1003
Börse
L&S

0,00 0,00%
+8,10€
Chart von NOW INC. REGISTERED SHARES DL -,01
Now Inc.
7 von 49

Aus dem Portfolio geflogen (4/5)

Now Inc. ist ein Dienstleister für die Energiewirtschaft und Industrieunternehmen. Ende 2016 hat Buffett sich von der Beteiligung an Now verabschiedet.

Buffetts Anteile: 0 (zuvor 1,83 Millionen Stück)
Veränderung im vierten Quartal 2016: aus dem Portfolio geflogen
Wert der Beteiligung: 0

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4 Kommentare zu "Konsumgüter-Riesen: Kraft Heinz will Unilever übernehmen"

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  • Dann müsste man wohl den Bereich Reinigungsmittel du Körperpflege abspalten, d.h. verkaufen, z.B. an die Reimann Gruppe.

  • @Herr Old Harold, 17.02.2017, 14:44 Uhr

    "Ich habe als Kleinaktionär innerhalb von wenigen Tagen mit dem Kauf und Verkauf von Unilever-Aktien 5 % Gewinn gemacht.

    Meinen Gewinn investiere ich in MIkrodarlehen, die ich über kiva.org zinsfrei an Kleinunternehmer in der 3. Welt vergebe.

    Der Großaktionär Warren Buffet gibt seine Milliarden-Gewinne in Stiftungen wie die von Melinda und Bill Gates, die damit Krankheiten wie Malaria bekämpfen.

    Was soll daran denn schlecht sein?"

    Nichts. Nur ist leider offensichtlich gerade und insbesondere in der Finanzwelt eine wirklich philanthropische Einstellung doch eher ungewöhnlich. Mal ganz abgesehen davon, dass anständiges Verhalten nicht allein eine Frage des guten Willens sein sollte.

    Denn: Geld ist Macht, und Macht ist süß. Beides muss sich ändern.

  • @ Herrn Thomas Behrends

    Warum durch Handelsabkommen mit Ländern wie Kanada, oder Unternehmenszusammenschlüssen die ganze Welt zugrunde gehen soll, habe ich noch nicht begriffen.

    Ich habe als Kleinaktionär innerhalb von wenigen Tagen mit dem Kauf und Verkauf von Unilever-Aktien 5 % Gewinn gemacht.

    Meinen Gewinn investiere ich in MIkrodarlehen, die ich über kiva.org zinsfrei an Kleinunternehmer in der 3. Welt vergebe.

    Der Großaktionär Warren Buffet gibt seine Milliarden-Gewinne in Stiftungen wie die von Melinda und Bill Gates, die damit Krankheiten wie Malaria bekämpfen.

    Was soll daran denn schlecht sein?

  • "Der Ketchup-Hersteller Kraft Heinz will einen Zusammenschluss mit dem Lebensmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever. Dieser lehnt ab – doch Kraft Heinz setzt den Übernahmeversuch trotzdem fort."

    DAS NENNT MAN DANN WOHL DEN VERSUCH EINER FEINDLICHEN ÜBERNAHME !!!

    Wo sind die weißen Ritter geblieben, die unsere Arbeitsplätze bei Unilever schützen?

    Meiner Ansicht nach werden weder die US-amerikanischen noch die europäischen Kartellbehörden diesen Mega-Zusammenschluß genehmigen.

    Aber wer weiß, vor ein paar Tagen wurde ja auch CETA von unwissenden EU-Politikern durchgewunken ...

    ... bei dieser Mentalität gehen alle zugrunde: Mensch, Natur, die Märkte, Unternehmen und letztendlich die ganze Welt.

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