Konsumgüterhersteller
Henkel, Nestlé & Co. sind bedroht

Eine Studie zeigt: Noch sind die etablierten Konsumgüterhersteller ihren Konkurrenten aus Asien und Lateinamerika überlegen. Doch ihr Wachstum stagniert nahezu. Die Konkurrenz holt rasant auf.
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DüsseldorfAuf den ersten Blick bleibt der Konsum in westlicher Hand: Mit Coca Cola, Unilever oder AB Inbev stellen Europa und die USA weiterhin die umsatzstärksten Unternehmen in der Konsumgüterbranche. Allein die Nummer Eins, der Schweizer Lebensmittelhersteller Nestlé, machte mit seinen Produkten einen Umsatz von fast 100 Milliarden US-Dollar. Auch der gesamte Umsatz in der Konsumgüterindustrie steigt weiter. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens OC&C Strategy, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Doch das hilft der Branche wenig. Denn wer das Umsatzwachstum mit den Zahlen des vergangenen Jahres vergleicht, stellt fest: Mit 2,9 Prozent hat sich das Plus binnen zwölf Monate fast halbiert. Und für die internationalen Großkonzerne kommt noch ein weiterer negativer Aspekt hinzu: die Konkurrenz aus den aufstrebenden Märkten.

Noch kommt keiner an den USA vorbei: Insgesamt 20 der 50 Top-Unternehmen – also fast die Hälfte – kommen aus den Vereinigten Staaten. Auch die Europäer sind mit Größen wie der Brauerei AB Inbev, dem Kosmetikgigant L’Oréal oder dem Tabakkonzern British American Tobacco gut vertreten. Deutschland stellt mit dem Dax-Konzern Henkel immerhin einen der 50 umsatzstärksten Konsumgüterhersteller.

Doch im Gegensatz zu der Konkurrenz aus Brasilien oder China wachsen die etablierten Namen nur noch geringfügig. Während die US-Konzerne 2012 ein Plus von rund sieben Prozent erzielten, waren es 2013 gerade einmal 2,8 Prozent. Europa stagnierte bei einem Wachstum von 1,3 Prozent.

Der Grund: Die Unternehmen setzen klarere Schwerpunkte. „Wir sehen durch die Bank weg den Trend zur Fokussierung auf Kernprodukte und Kernleistungen“, sagt Ludwig Voll, OC&C-Partner und Mitautor der Studie. Als Beispiel dafür nennt er den US-Riesen Procter & Gamble. Das Unternehmen will sein Markenportfolio deutlich reduzieren. Das stärke zwar das Kerngeschäft, senke aber das gesamte Wachstum, sagt Voll.

Trotz der niedrigen Zinsen investieren die Unternehmen auch weniger in Übernahmen. Gerade einmal 20 Milliarden US-Dollar haben sie in den Kauf anderer Firmen gesteckt – so wenig wie zuletzt vor zehn Jahren. Lediglich Coca Cola stemmt sich gegen diesen Trend und war an fünf der 20 größten Übernahmen im vergangenen Jahr beteiligt. Auch 2014 war der US-Konzern bereits aktiv und hat im Februar für rund zwei Milliarden Dollar Anteile am Konkurrenten Monster Beverage erworben.

Dabei ist es nicht so, dass sich die Unternehmen gegen Übernahmen stellen. Ganz im Gegenteil: Der Dax-Konzern Henkel suchte 2013 beispielsweise konkret nach möglichen Akquise-Möglichkeiten. Doch: „Henkel geht es nicht darum, irgendeine neue Marke oder irgendeine neue Aktivität zu generieren, sondern eine Firma, die zu dem Fokus auf Kosmetik, Waschmittel und Klebstoffe passt“, so Voll. Damit fokussiere man sich auf die Bereiche, die nachhaltig seien. Dieser Trend zeige sich auch daran, dass Gewinnmargen wichtiger geworden seien als der Umsatz.

Immerhin verbucht Henkel mittlerweile erste Erfolge: Erst im September gab der Dax-Konzern bekannt, den US-Konkurrenten Bergquist zu übernehmen. Bis 2016 soll der Umsatz des Konzerns durch die neuen Akquisitionen auf rund 20 Milliarden Euro steigen.

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  • Die Deutschen haben sich über die ersten Corollas von Toyota halb totgelacht, so wie sie es mit Unterstützung der Mainstreampresse auch bei chinesischen Autos tun und mit gefakten Crashtests (siehe unser toller Autoclub) die Produkte herunterschreiben.
    Inzwischen ist Toyota der größte Automobil-Hersteller der Welt und von der Toyota-Qualität kann VW nur träumen.

  • Hat man für die Autoindustrie auch vorhergesagt. Wenn ersteinmal die Japaner etabliert sind, haben die deutschen Hersteller verloren.

    Ich denke, dass der Euro als Garant für eine gesicherte Zukunft eine Chimäre ist und die größte Gefahr darstellt und nicht mangelnde Innovationskraft. Sozialistische Tendenzen und überbordende Bürokratie werden unserer Wirtschaft noch stärker zur Last fallen, als derzeit.

  • Auslaufmodell Europa.
    Kein Wunder bei dem zu teuren Euro und den nicht wettbewerbsfähigen ClubMed-Staaten.
    Industriearbeiterstunde in China 1,50 € und bei uns 30 €.

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