Konsumverhalten
Billig.com schlägt Kaufhäuser

Flaute im klassischen Einzelhandel, Rekordzahlen bei diversen Onlineshops: Während sich der stationäre Einzelhandel um sein Geschäft sorgt, stehen die Krisen-Gewinner bereits fest, es sind die Webkaufhäuser. Warum der Einfluss des Internets auf die Kaufentscheidungen deutlich wächst.

DÜSSELDORF. Damit hatten Analysten nicht gerechnet: Während sich vor Weihnachten der klassische Einzelhandel mühte, das bescheidene Vorjahresniveau zu halten, meldete der weltweit größte Onlineshop Amazon einen unerwarteten Rekord. Zum Vorjahresquartal sei es mit den Umsätzen um 18 Prozent nach oben gegangen - auf 6,7 Mrd. Dollar.

Ähnliches berichtet der Hamburger Versandhändler Otto, der sich in Deutschland nach Amazon als Nummer zwei im Onlinehandel hochgearbeitet hat. Dort habe das Internetgeschäft von September 2008 bis Februar 2009 um 38 Prozent zugelegt, bestätigt Vorstandssprecher Rainer Hillebrand dem Handelsblatt.

"Die aktuelle Wirtschaftsflaute beschleunigt den Trend zum Einkaufen über das Internet", prognostiziert jetzt auch der Consumer & Retail Thinktank (CRTT), ein von der Beratungsgesellschaft KPMG getragenes Expertengremium, dem renommierte Handelsprofessoren, Analysten, Marktforscher und Unternehmer angehören. "Der Vormarsch der Online-Läden wird dem klassischen Einzelhandel damit weiter Marktanteile wegnehmen", sagt dessen Sprecher Michael Axhausen.

Kaum eine Branche, die sich derzeit dem Sog des Internets entzieht. So veröffentlichte der Reifen-Onlinehändler Delticom ("Reifendirekt.de") vor wenigen Tagen Ergebnisse, die selbst Analysten in Erstaunen versetzten. Während die klassischen Reifenwerkstätten für das abgelaufene Jahr ein Absatzminus von vier Prozent beklagten und auch für 2009 mit einem Rückgang rechnen, meldete der Hannoveraner Onlinelieferant die besten Ergebnisse seit der Unternehmensgründung vor zehn Jahren. Mit einem Jahresumsatz von 260 Mio. Euro vergrößerte er sein Geschäft binnen Jahresfrist um 20 Prozent. Mit dem Betriebsergebnis (Ebit) ging es auf 16 Mio. Euro nach oben - ein Plus von 34 Prozent.

Für den verstärkten Trend zum Online-Shopping nennen die CRTT-Experten gleich mehrere Gründe: "Die konjunkturelle Lage erhöht die Preissensibilität der Verbraucher", beobachtet IKB-Analyst Johannes Sausen. Vor allem beliebte Suchmaschinen wie "Guenstiger.de" und "Billiger.de" böten vielen die gesuchte Preistransparenz.

Der Internethandel drücke damit indirekt auf die Preise in den Läden, beobachtet der Hamburger Wettbewerbsexperte Rainer Lademann. "Die Preiswahrnehmung im Netz bestimmt die Preiswahrnehmung im Laden", sagt er. Wer als Einzelhändler darauf mit dem Rotstift reagiert, riskiert jedoch womöglich das eigene Unternehmen. Schon jetzt sind die Durchschnittsmargen in einigen Branchen mit unter drei Prozent mehr als mager.

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