Konsumverhalten in Europa
Der Geiz ist deutsch

Schattenseite der hohen Ausgabefreudigkeit ist in den USA die negative Sparquote. Innerhalb Europas entdeckten dies die Konsumforscher allein in Großbritannien, wo 0,1 Prozent mehr ausgegeben als verdient wird. Den Briten selbst bereitet dies offenbar kaum Sorgen: 31 Prozent von ihnen gaben an, dass sie „manchmal über ihre Verhältnisse leben“, obwohl ihr Nettogeldvermögen mit durchschnittlich fast 50 000 Euro (Deutschland: 30 000 Euro) europaweit an der Spitze liegt. In Deutschland berichteten nur zwölf Prozent der Verbraucher, mehr auszugeben, als das Gehalt hergibt.

Auf Pump zu kaufen bleibt in Deutschland verpönt. 52 Prozent der Verbraucher sagten, dass sie „nicht ruhig schlafen können, wenn sie Schulden haben“. Nur 29 Prozent der Briten raubt dagegen ein Kredit den Schlaf. Am ängstlichsten zeigten sich hier allerdings die Ungarn – offenbar alarmiert durch die maroden Staatsfinanzen: 62 Prozent der Magyaren, so die Studie, würden private Schulden große Sorgen bereiten.

Auch ein anderes gängiges Vorurteil bestätigt die Studie: Die deutschen Konsumenten sind europaweit am preisbewusstesten. 55 Prozent von ihnen gaben an, auch bei kleinen Dingen die Preise zu vergleichen. In Großbritannien lag der Anteil – trotz weit höherer Einzelhandelspreise – lediglich bei 39 Prozent.

In Polen, das bei den Haushaltseinkommen zu den Schlusslichtern in der EU zählt, prüfen nur 39 Prozent der Konsumenten die Angebote der Konkurrenz. Durch Preisvergleiche lassen sie sich ihre Shoppingtour offenbar nur ungern vermiesen. Immerhin gaben 38 Prozent von ihnen an, Einkaufen sei für sie ein „echtes Vergnügen“. Hier zu Lande stimmten dieser Aussage nur 24 Prozent der Befragten zu. „In Deutschland ist der Spartrieb stärker als der Sexualtrieb“, lästert der Konsumforscher David Bosshart vom Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Institut.

Das hat dazu geführt, dass der deutsche Einzelhandel in den vergangenen fünf Jahren kaum Preiserhöhungen durchsetzen konnte. Zwischen 2000 und 2005 stiegen die Ladenpreise nur um zwei Prozent, während sie in Ungarn um 23 Prozent nach oben schossen. Selbst in Spanien, Polen und Italien kletterten sie zwischen zwölf und 15 Prozent.

Der Hauptgrund für die deutsche Konsumzurückhaltung liegt laut Studie in der Unsicherheit über die Zukunft der Sozialsysteme. 81 Prozent der Befragten schlossen sich der Aussage an: „Ich muss für die Altersvorsorge heute mehr zurücklegen, als ich gedacht habe.“ Dieser Wert ist der mit Abstand höchste in Europa.

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