Konsumverhalten in Europa
Der Geiz ist deutsch

Eine neue Studie durchleuchtet das unterschiedliche Konsumverhalten in Europa und kommt zu erstaunlichen Ergebnissen: Ausgerechnet die nüchternen Briten geben am meisten Geld für Konsumgüter aus. Die Bundesbürger – europaweit am preissbewusstesten – kommen hinter Italienern und Franzosen auf Platz vier.

BERLIN. Der fliegende Händler am Strand von Mauritius winkt ab: Deutsch zu lernen brauche er nicht, sagt der Schmuckverkäufer dem Urlauber und zieht ein verächtliches Gesicht. Die Touristen aus Germany gäben für seine Pretiosen – anders als Franzosen, Briten oder Amerikaner – ohnehin nichts aus. „Die halten ihr Geld lieber zusammen“, schildert er seine leidvollen Erfahrungen.

„Geiz ist geil“, hämmern Saturns Elektronikmärkte im Chor mit vielen anderen Werbetreibenden heimischen Verbrauchern seit Jahren ein. Doch knausern wir Deutschen tatsächlich mehr als unsere europäischen Nachbarn? Den Verdacht hat nicht nur der kreolische Strandverkäufer. Die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz und das Marktforschungsinstitut TNS Infratest sind dieser Frage nachgegangen und haben eine Antwort gefunden: Ja.

Die vom Handelskonzern Metro in Auftrag gegebene Studie „European Consumption Report“ , die auf der Befragung von rund 7 000 Verbrauchern basiert, stellten die Initiatoren am Mittwoch in Berlin vor – mit erstaunlichen Ergebnissen. Eines davon: Ausgerechnet die nüchternen Briten erweisen sich innerhalb der EU am spendierfreudigsten.

Innerhalb Europas gaben sie im vergangenen Jahr rund 6 000 Euro pro Kopf für Konsumgüter aus. Die Italiener konsumierten für 5 600 Euro, die Franzosen für 5 500 Euro. Erst auf Platz vier kommen die Bundesbürger mit gut 5 400 Euro.

Mit großem Abstand folgen die Verbraucher in den mitteleuropäischen Beitrittsländern. So ließen die Ungarn im Schnitt 2 100 Euro in den Kassen des Einzelhandels, die Polen sogar nur 1 500 Euro. Weltmeister im Konsumieren bleiben allerdings die Amerikaner. Die 300 Mill. US-Bürger gaben im vergangenen Jahr sieben Billionen Euro an der Ladentheke aus – die 450 Mill. Europäer dagegen „nur“ 6,3 Billionen.

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