Konzentration auf das Energiegeschäft
RWE will angeblich Wasser-Sparte abspalten

Der Versorger RWE plant nach Angaben aus Branchenkreisen, die renditeschwachen Wassersparten in Großbritannien und den USA abzustoßen.

HB DÜSSELDORF. „Der Fokus liegt eindeutig auf Strom und Gas“, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montag von einer mit der Sache vertrauten Person. Von anderen Bereichen wolle sich der Vorstand trennen. Über Zeitplan und Details der Abspaltung werde derzeit beraten. Die „Berliner Zeitung“ berichtete, der Aufsichtsrat werde noch in dieser Woche über das Vorhaben beraten. Thames Water ist eigenen Angaben zufolge mit über 17 000 Mitarbeitern und rund 70 Mill. Kunden der weltweit drittgrößte Wasserversorger.

Ein Unternehmenssprecher wollte die Angelegenheit nicht kommentieren. Bei RWE werde regelmäßig das Portfolio überprüft und überlegt, wo Anpassungen vorgenommen werden könnten, sagte er nur. Gleichlautend hatte RWE in der vergangenen Woche sich zur Zukunft des Unternehmensbereichs RWE Solutions geäußert. Dieses Geschäft der energienahen Dienstleistungen hatten die Essener schon Ende 2004 als nicht mehr zum Kerngeschäft gehörig definiert. Seither wurden einige Tochterfirmen verkauft.

RWE wolle alle Wasseraktivitäten außerhalb des europäischen Kontinents in eine neue Firma ausgliedern, von der dann in einem ersten Schritt 30 % an die Börse gebracht werden sollten, schrieb die Zeitung weiter. Die WestLB, deren Chef bei RWE den Aufsichtsratsvorsitz führt, solle die Transaktion in die Wege leiten. Bis zu fünf Mrd. € könnte RWE durch einen Börsengang einnehmen, rechneten Analysten vor. Die Situation auf dem britischen Markt sei günstig. „Es ist ein solides Business, deshalb ist auch noch Platz für einen weiteren Versorger am Markt“, sagte der Analyst einer Frankfurter Großbank, der ungenannt bleiben wollte. „Wasser ist eine ertragsstabile und langfristige Geschichte“, sagte er.

„Mit der Veräußerung des Wassergeschäfts würde sich die finanzielle Flexibilität von RWE erhöhen. Sie könnten dann am Konsolidierungsprozess der Branche weiter aktiv teilnehmen,“ sagte Nils Machemehl, Energie-Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg. Die RWE-Aktie reagierte mit einem Kursaufschlag von 1,5 % auf 52,32 € auf den Bericht über die Abspaltung und einen möglichen Börsengang.

RWE war erst vor fünf Jahren mit dem Kauf von Thames Water groß ins Wassergeschäft eingestiegen. Gut sieben Mrd. € hatten die Essener damals für den vor allem im Großraum London tätigen Versorger ausgegeben. Einschließlich Schulden waren es sogar über elf Mrd. €. Später hatte RWE dann noch den amerikanischen Wasserversorger American Water hinzugekauft. Zum Wassergeschäft von RWE gehören auch die Berliner Wasserbetriebe, die aber nicht zu Thames Water gehören.

Dem Mutterkonzern machte Thames Water zuletzt nicht nur Freude. Um die hohen Investitionen in das überalterte Leitungsnetz finanzieren zu können, hatte Thames Water eine kräftige Preiserhöhung beantragt. Die britischen Regulierer genehmigten aber nur einen viel geringeren Preisaufschlag.

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