„Konzept überarbeiten“
Hertie-Aufsichtsrat tagt über die Zukunft

Der Aufsichtsrat der Warenhauskette Hertie berät voraussichtlich an diesen Mittwoch in einer Sondersitzung über die Zukunft des Unternehmens mit 4100 Mitarbeitern. Hintergrund sind Berichte über finanzielle Probleme des britischen Haupteigentümers Dawnay Day.

HB ESSEN. Das Londoner Finanzhaus hält seit drei Jahren 85 Prozent an Hertie und hatte bisher die Millionenverluste der 73 Hertie-Häuser ausgeglichen. Angesichts der offensichtlichen Probleme von Dawnay Day sei die Situation für Hertie dramatisch, hieß es von der Gewerkschaft ver.di. Bisher erhielten weder das Management noch die Arbeitnehmerseite genaue Informationen aus London, sagte der zuständige ver.di-Sekretär Johann Roesch, der im Aufsichtsrat sitzt. "Ich hoffe, dass das bei der Sitzung anders sein wird." Hertie schreibt nach Angaben des Gewerkschafters im laufenden Geschäftsjahr (bis 30. September) Verluste im zweistelligen Millionenbereich und braucht definitiv weiteres Geld von den Investoren. Die übrigen 15 Prozent hält die britische Unternehmensberatung Hilco. Von der Firma selbst gibt es seit Tagen keinerlei Aussagen zu ihrer geschäftlichen Situation, ihren Plänen und den Aussichten der Belegschaft.

Sollte Dawnay Day als Investor ausfallen, sei dies aber nicht das Ende für Hertie, sagte Roesch. "Das grundlegende Konzept als Nachbarschaftskaufhaus in mittelgroßen Städten funktioniert und ist zukunftsfähig." Hertie sei in vielen Städten "Platzhirsch", der Name genieße hohe Akzeptanz bei Kunden. Allerdings seien Verbesserungen beim Sortiment und bei der Warenversorgung nötig, die gelegentlich verspätet komme und an den Bedürfnissen der Kundschaft vorbeigehe. Die bisher bundesweit geführte Kette müsse sich regional aufteilen, um die örtlichen Besonderheiten zum Beispiel in Einkauf und Präsentation besser zu berücksichtigen. All dies sei aber bereits erkannt und in einem vor kurzem vorgestellten Konzept der Geschäftsführung geplant worden.

Die britischen Investoren hatten die deutsche Warenhauskette mit damals 74 (inzwischen 73) Häusern im August 2005 von KarstadtQuelle (heute Arcandor) für 500 Millionen Euro gekauft. Seitdem sollen nach einem früheren Bericht der "Lebensmittel Zeitung" bei Hertie bereits rund 170 Millionen Euro Verlust aufgelaufen sein. Im laufenden Geschäftsjahr beziffert die Zeitung den Verlust auf 30 Millionen Euro.

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