Konzern plant Kooperationen im Güterverkehr
Deutsche Bahn sucht Partner in Europa

Vor der endgültigen Liberalisierung der europäischen Schienennetze im Jahr 2008 kommt Bewegung in den Markt der Güterbahnen. Vor allem die Öffnung des bisher strikt abgeschotteten französischen Schienennetzes wird mit Spannung erwartet – bereits jetzt positionieren sich dafür die internationalen Anbieter.

BERLIN. Norbert Bensel, Vorstand Transport und Logistik der Deutschen Bahn AG, will den Schienengüterverkehr in Frankreich mit der französischen Staatsbahn SNCF aufrollen. „Wir brauchen die Franzosen, wir können die Potenziale des deutsch-französischen Warenaustauschs am besten in einer verbesserten Zusammenarbeit realisieren“, sagte Bensel in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. „Da ist aber noch viel Handlungsbedarf“, räumte er ein.

Die zur Deutschen Bahn gehörende Güterbahn Railion und die französische SNCF Fret fahren bereits zwischen vier großen Rangierbahnhöfen beiderseits der Grenze täglich bis zu hundert Züge, die dank zweisprachiger Lokführer und Loks mit der Strom- und Signaltechnik beider Bahnen an der Grenze durchfahren können.

Auf den europäischen Nord-Süd-Routen zwischen den Nordseehäfen und Italien stecken die Konkurrenten ebenfalls ihre Claims ab – hier sind neben Railion auch SBB Cargo, eine Tochter der Schweizerischen Bundesbahnen, sowie kleine private Anbieterstark. Vor wenigen Wochen erwarb Trenitalia, die Gütertochter der italienischen Staatsbahn, die Mehrheit an der bislang größten deutschen Privatbahn TX Logistik AG . Ziel: Die Italiener wollen in den Märkten nördlich von Brenner und Gotthard stärker mitmischen. Zudem wollen die Bahnen der Schweiz, Luxemburgs und Belgiens eine Tochter für den Nord-Süd-Verkehr vom Hafen Antwerpen nach Italien gründen.

Deutsche-Bahn-Vorstand Bensel erwartet, dass sich der liberalisierte Schienengütermarkt in den nächsten Jahren völlig verändern wird: „Nach einer Konsolidierungsphase werden drei, vier große Player übrig bleiben. Die kleinen Privaten werden als Kooperationspartner oder allenfalls noch mit Nischenprodukten dabei sein.“

Von neutralen Beobachtern wird das mit einem weinenden Auge gesehen. Der Gießener Verkehrswissenschaftler Gerd Aberle, der als Mitglied der Regierungskommission Bahn in den 90er Jahren an der Bahnreform beteiligt war, sagt: „Die zu erwartende Entwicklung ist sehr bedauerlich, da bleibt viel Kreativität der neuen Spieler auf der Strecke.“

Doch das Bahngeschäft ist sehr kapitalintensiv. Damit begründet Reimund Stüer, Gründer und Vorstandschef der TX Logistik, die enge Anlehnung an die Trenitalia mit dem wachsenden Mittelbedarf. Über eine Kapitalaufstockung der Italiener soll vor allem das künftige Frankreich-Geschäftes finanziert werden.

In Osteuropa sucht die Deutsche Bahn die Anlehnung an die polnische Staatsbahn PKP. „Wenn es uns gelingt, eine verlässliche und belastbare Partnerschaft einzugehen, dann ist die PKP unser Wunschpartner“, sagte Bensel. Nur wenn Allianzen nicht funktionierten, denke die Bahn auch darüber nach, eigene Gesellschaften im Ausland zu gründen oder zu kaufen.

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