Konzern spaltet sich in mehrere Sparten auf und sucht Käufer
Spielzeugkette Toys R Us bereitet den eigenen Verkauf vor

Toys R Us, nach eigenen Angaben weltgrößter Spielwaren-Fachhändler, setzt sich selbst auf die Verkaufsliste. Das traditionsreiche Unternehmen reagiert mit diesem drastischen Schritt auf die Billigkonkurrenz des weltgrößten Einzelhandelskonzerns Wal-Mart.

tmo/HB NEW YORK. Toys R Us teilte gestern überraschend mit, man prüfe – neben anderen Optionen – den Verkauf des weltweiten Spielwarengeschäfts. Außerdem will Toys R Us seine erfolgreichen Kleinkind-Fachmärkte unter der Marke Babies R Us ausgliedern und dafür Kaufinteressenten suchen. „Damit steht das gesamte Unternehmen auf dem Prüfstand“, sagte gestern eine Firmensprecherin. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen Die Maßnahmen will Toys R Us in der ersten Hälfte des nächsten Geschäftsjahres abschließen, das im Februar 2005 beginnt.

Mit einem Börsenwert von zuletzt 3,4 Mrd. Dollar zählt Toys R Us zu den weltweit größten Spielwaren-Anbietern. Der 1948 gegründete Konzern spannte in den 1970er Jahren ein flächendeckendes Filialnetz über ganz Amerika. Inzwischen verkauft Toys R Us seine Produkte weltweit durch Fachmärkte und übers Internet. In Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt das Unternehmen laut firmeneigener Internetseite 62 Toys-R-Us-Filialen.

„Toys R Us reagiert mit dieser radikalen Entscheidung auf die übermächtige Konkurrenz durch die Handelsriesen Wal-Mart und Target“, sagte gestern Analyst Richard Hastings vom Finanzhaus Bernard Sands im US-Fernsehsender CNBC. Wal-Mart, der weltgrößte Handelskonzern, hat durch Billigangebote Toys R Us als größten US-Spielwarenverkäufer entthront.

Viele Analysten gehen davon aus, dass Wal-Mart bewusst Verluste mit Spielwaren schreibt, um zusätzliche Käufer in seine Einkaufszentren zu locken. „Handelsriesen wie Wal-Mart und Target genießen zudem Preisvorteile im Einkauf, und sie haben höhere Investitionsbudgets, um neue Filialen zu eröffnen“, sagt Analyst Hastings. Spezialisierte Spielwarenhändler seien auf Dauer im Wettbewerb unterlegen. Nachdem sich bereits die US-Spielwarenhändler FAO Inc. und KB Toys zahlungsunfähig erklärten, will nun offenbar auch Toys R Us das Feld räumen.

Die bisherigen Konkurrenten könnten bald den Spielwarenriesen ausschlachten, vermutet Fondsmanager Marc Ravitz vom New Yorker Vermögensverwalter Grace & White Inc. Er glaubt, dass Wal-Mart und die Baumarktketten Home Depot und Lowe’s am Grundbesitz von Toys R Us interessiert sein könnten. Das Spielwarengeschäft könnte eine Beteiligungsgesellschaft übernehmen. „Es wird sich sicherlich jemand finden, der den Spielwarenhandel kauft und auf Profitabilität trimmt, vielleicht ein Finanzinvestor“, sagte Ravitz.

Zunächst plant Toys-R-Us-Chef John Eyler die Abspaltung der profitablen, schnell wachsenden Sparte Babies R Us, die sich auf den Bedarf von Müttern und Kleinkindern spezialisiert hat. „Das ist das Beste vom Besten, ein sehr solides Geschäft“, sagte Tim Urquhart vom Geldhaus Perkins Wolf McDonnell der Agentur Bloomberg. Als nächstes will Toys R Us sein Kerngeschäft verschlanken und Kosten in Höhe von 125 Mill. Dollar einsparen.

Drastische Preissenkungen sollen helfen, den Lagerbestand abzubauen und gleichzeitig den Barbestand zu erhöhen. Damit verbunden kündigte der Spielzeughändler Sonderabschreibungen von 150 Mill. Dollar an. So will Konzernchef Eyler die Kernsparte attraktiv für einen Käufer machen. Nach dem Umbau könne das verbliebene Geschäft „signifikante Barmittel generieren“, teilte Eyler gestern mit. Den Ergebnisbericht für das zweite Quartal verschob Toys R Us auf den 23. August. Im ersten Quartal schrieb das Unternehmen einen Verlust von 28 Mill. Dollar.

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