Konzern verfolgt zwar Projekte mit Gazprom weiter, will aber auch in verflüssigtes Gas investieren
Eon sucht nach Alternativen zu russischem Gas

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon sucht nach Alternativen zur Kooperation mit dem russischen Gaskonzern Gazprom. Das Unternehmen will seine Gasversorgung nicht nur von einem Partner abhängig machen, teilte der Konzern gestern in Essen mit.

juf ESSEN. „Wir wollen unsere Gasversorgung nicht nur von einem Partner abhängig machen“, sagte Vorstandschef Wulf Bernotat gestern auf der Hauptversammlung in Essen. Sein Unternehmen wolle seine Partnerschaft mit Gazprom zwar nach wie vor vertiefen. „Wir werden aber Chancen, Risiken und auch Alternativen sorgfältig prüfen.“ Langfristig biete beispielsweise auch Liquefied Natural Gas (LNG) – Erdgas, das zu Transportzwecken verflüssigt wird – interessante Möglichkeiten. „Deshalb schauen wir uns auch diesen Markt sehr genau an.“

Eon ist bisher in der Gassparte stark von Russland abhängig, von wo die Tochter Eon Ruhrgas rund 30 Prozent ihres Gases bezieht. In der langjährigen Partnerschaft mit Gazprom – Eon Ruhrgas hält rund 6,5 Prozent der Anteile des russischen Konzerns – ist es zuletzt aber zu Verstimmungen gekommen. Gazprom hatte vor zwei Wochen eine breit angelegte Kooperation mit BASF verkündet, während parallele Gespräche mit Eon nicht vorankommen. Gazprom wird BASF sogar an der Ausbeutung des Gasfeldes Juschno-Russkoje beteiligen, über das der Konzern zuvor exklusiv mit Eon verhandelte.

Den Aktionären gaben diese Entwicklungen gestern Anlass zu scharfer Kritik. Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete dies als „Schönheitsfehler“ bei einem ansonsten erfreulichen Geschäftsverlauf. Die Eon-Führung müsse sich fragen lassen, ob sie in den Verhandlungen die richtige Taktik verfolgt habe und im Gegensatz zu BASF nicht zu wenig geboten habe. „Eon braucht Gazprom, aber Gazprom braucht Eon nicht unbedingt“, sagte Hechtfischer.

BASF sei in Russland jetzt im Vorteil sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK): „Der Erste ist immer der, der den Ton angibt.“ Er könne den Beschwichtigungen des Vorstands deshalb nicht glauben, der sich nach wie vor Chancen auf einen Einstieg in das Juschno-Russkoje-Projekt ausrechne. Eon sei noch im Gespräch mit Gazprom über das Gasfeld und andere Projekte, bekräftigte Bernotat indes. Die Verhandlungen seien aber sehr komplex: „Wir haben nichts zu verschenken und lassen und nicht unter Druck setzen.“

Für die langfristige Entwicklung des Gasgeschäfts werde es immer wichtiger, „die Gasbezüge weiter zu diversifizieren“, erläuterte Bernotat. Alternativen zu russischem Gas sieht Eon zum einen in einer verstärkten Produktion in der norwegischen Nordsee und zum anderen im LNG-Markt. Verflüssigtes Erdgas galt lange Zeit in Europa als nicht wettbewerbsfähig zu Gas, das per Pipelines aus Russland oder Norwegen transportiert wird. Das Gas muss schließlich in den Produktionsländern unter hohem Aufwand gekühlt und verflüssigt, anschließend in Spezialschiffen transportiert und im Zielgebiet wieder in Gas umgewandelt werden. Die Kosten sind aber in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Für Deutschland, das gut per Pipelines angebunden ist, gilt LNG zwar nach wie vor als nicht wettbewerbsfähig – das sieht auch Eon so. Aber beispielsweise in Großbritannien mit seiner Insellage räumen Branchenexperten LNG Marktchancen ein.

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