Konzern will nicht länger Lufthansa-Gehälter zahlen
Traditionsfirma Condor bedroht

Der Reisekonzern Thomas Cook AG will seinen defizitären Flugbetrieb in Deutschland neu organisieren und die bisherige Condor Flugdienst GmbH mit der Tochtergesellschaft Condor Berlin GmbH zusammenführen. Ein Thomas-Cook-Sprecher bestätigte entsprechende Informationen gegenüber dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Ob die traditionsreiche Ferienflugmarke Condor dabei nach 49 Jahren vollends verschwindet, ist noch ungewiss: „Über den neuen Firmennamen wurde noch nicht entschieden“, sagte der Sprecher.

Hintergrund der geplanten Zusammenlegung sind tiefrote Zahlen der Thomas Cook AG vor allem in ihrem wichtigsten Flugmarkt Deutschland. Die Charter-Tochter Condor, die bereits seit Sommer 2002 unter der Konzern-Dachmarke Thomas Cook Airlines fliegt, gilt im derzeitigen Branchenumfeld mit historisch niedrigen Ticketpreisen als nicht mehr wettbewerbsfähig: Wegen ihrer Anbindung an den Konzerntarifvertrag der Lufthansa, die 50 % der Thomas-Cook-Anteile hält, liegen zum einen die Personalkosten weit höher als bei Konkurrenten wie Air Berlin. Außerdem kann die Condor ihre 35 Boeing-Großraumjets mit 200 bis 260 Passagieren angesichts der Krise kaum mehr vernünftig auslasten. Wie es in Unternehmenskreisen heißt, soll mit den Gesellschaftern Lufthansa und Karstadt Quelle spätestens 2004 über eine Flottenerneuerung mit kleineren Flugzeugen verhandelt werden.

Das Tochterunternehmen Condor Berlin, das 1998 gegründet wurde und 590 Mitarbeiter zählt, übersteht die Reisekrise derzeit weit besser als die Condor-Zentrale in Kelsterbach bei Frankfurt: „Sie haben mit dem Airbus A320 das richtige Fluggerät und zudem deutlich günstigere Tarifverträge, weil das Kabinenpersonal nicht an den Lufthansa-Konzerntarif gebunden ist“, bestätigt ein Branchenkenner.

Durch die angestrebte Fusion der deutschen Charter-Töchter will das Thomas-Cook-Management an die Tarifstrukturen der etablierten Condor-Belegschaft heran: „Wir müssen die Kostenstrukturen so gestalten, dass wir wieder zu marktgerechten Preisen fliegen können“, sagte der Thomas-Cook-Sprecher. Vorstandschef Stefan Pichler hatte erst kürzlich betont, bei der weiteren Restrukturierung der Thomas Cook AG dürfe es „keine Tabus“ geben.



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