Konzernchef Bernard geht – Neuer starker Mann wird Aufsichtsratschef Vandevelde
Einzelhandelskonzern Carrefour baut Führung radikal um

Nach elf Jahren an der Spitze des französischen Einzelhandelskonzerns Carrefour tritt Daniel Bernard heute von seinem Posten zurück. Das teilte er gestern nach einer außerordentlichen Sitzung des Verwaltungsrates mit. Als Grund gab er den Umbau der Struktur des weltweit zweitgrößten Einzelhandelskonzerns an.

HB PARIS. Carrefour wird künftig nicht mehr von einem Verwaltungsrat geführt, sondern von zwei Gremien – einem Vorstand und einem Aufsichtsrat. „Ich wünsche weder dem Aufsichtsrat noch dem Vorstand vorzustehen“, erklärte Bernard.

Damit bestätigte er einen Bericht der Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“. Der Konzernchef habe den Machtkampf gegen den Carrefour-Großaktionär, die Familie Halley, verloren. Den neu geschaffenen Aufsichtsratsvorsitz übernimmt der Ex-Chef des britischen Handelskonzerns Marks & Spencer, Luc Vandevelde. Der enge Vertraute der Familie Halley wird damit der neue starke Mann im Unternehmen. Als Vorstandschef soll der derzeitige Finanzvorstand José Luis Duran das Tagesgeschäft leiten.

Bernard hatte Carrefour seit 1992 geleitet und das Unternehmen im Jahr 1999 mit dem Wettbewerber Promodes fusioniert. Doch seitdem hat sich der Carrefour-Aktienkurs halbiert. Die Familie Halley, die die Supermarkt-Kette Promodes gegründet hatte, wurde daher immer unzufriedener mit der Arbeit des Konzernchefs. Als die Familie Ende Januar ihren Anteil von 12,3 auf 13 Prozent aufstockte, machten erste Gerüchte über eine bevorstehende Ablösung Bernards die Runde.

Als Ursache für den Rausschmiss gilt, dass Bernard zu lange auf die internationale Expansion des Supermarkt-Konzerns fokussiert war und darüber die Entwicklung der Hypermärkte in Frankreich vernachlässigt hat, dem Kerngeschäft Carrefours. Bernard verteidigt dagegen seine Leistung und erklärt, dass „die Aktie die erreichten Verbesserungen nicht vollständig widerspiegelt“.

Diese riesigen Märkte mit mindestens 2 500 Quadratmetern Verkaufsfläche machen rund 25 Prozent des Umsatzes, aber 36 Prozent des Betriebsgewinns aus. Doch hier verliert Carrefour seit Jahren Marktanteile im Wettbewerb mit Discount-Märkten wie Lidl und Aldi. 1999 lag der Marktanteil von Carrefours Hypermärkten noch bei 17,8 Prozent. Im November 2004 war der Anteil auf 13,2 Prozent gesunken.

„Carrefour hat beim Kunden nicht das Image, günstig zu sein“, sagt Analyst Cedric Lecasble vom Kepler Equities. Denn weil die französischen Konsumenten immer preisbewusster einkaufen, suchen sie verstärkt günstige Produkte bei Lidl und Aldi.

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