Konzernchef gegen politische Auflage
Swisscom-Führung gibt nicht nach

Management und Aufsichtsrat der Schweizer Telekomfirma Swisscom wehren sich gegen das Verbot der Regierung in Bern, große Investitionen im Ausland vorzunehmen. Falls der Bund die Auslandsstrategie der Swisscom-Führung nicht mitträgt, droht Unternehmenschef Jens Alder mit Rücktritt.

oli HB ZÜRICH. „Es ist Aufgabe einer Unternehmensleitung, ihre Firma von schrumpfende in wachsende Märkte zu führen“, sagte Alder bei einer Pressekonferenz gestern in Zürich. „Das kleinste Risiko besteht dabei darin, in ein Monopolunternehmen im Ausland zu investieren.“ Damit widerspricht Alder den Vorgaben des Bundes, der als Mehrheitseigentümer der Swisscom in der vergangenen Woche Auslandsbeteiligungen an Unternehmen, die die Grundversorgung sicherstellen, untersagte. Der Bund begründet dies mit dem finanziellen Risiko und einem möglichen Wertverlust seines Aktienpakets.

Trotz der offensichtlichen Meinungsverschiedenheit will Alder nicht zurücktreten. „Der Kapitän muss an Bord bleiben, bis eine Krise ausgestanden ist“, sagte er. Konkret heißt das, dass Alder abwarten will, bis der Bund seine neue Vierjahresstrategie für die Swisscom formuliert hat. Sie soll am 21. Dezember vorgelegt werden. „Die neue Wachstumsstrategie wird zeigen, ob ich dafür der richtige bin“, sagte der Swisscom-Chef. Er bestätigte, dass der Kauf des irischen Telekomunternehmens Eircom, der heute abgeschlossen werden sollte, wegen der Haltung des Bundes geplatzt ist.

Swisscom-Verwaltungsratspräsident Markus Rauh, für den sich die Frage des Rücktritts nicht stellt, weil er das Amt aus Altersgründen im nächsten Jahr sowieso aufgibt, richtete schwere Vorwürfe an die Adresse der Regierung: Ihre Entscheidung sei unqualifiziert und verkenne die Realitäten. Er wundere sich, dass die Regierung, die bisher zehn Mrd. Schweizer Franken als Swisscom-Aktionär verdient hat, das Unternehmen „über Nacht als bedrohliche Altlast behandelt, die man lieber heute als morgen los ist“.

Rauh deutete allerdings auch an, wo ein Kompromiss zu suchen sei: „Wir könnten uns vorstellen, eine Akquisition vom Rating abhängig zu machen“, sagte Rauh. Auch der Unternehmensführung sei daran gelegen, den so genannten Investmentgrad zu behalten.

Der Verwaltungsratschef verlangte, dass in der Strategie, die der Bund für die Swisscom formulieren wird, Streitfällen vorgebeugt wird: „Es muss geregelt sein, wer die Verantwortung trägt, wenn sich der Verwaltungsrat den Instruktionen des Bundes beugt.“

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