Konzernchef geht: Buchungsmanipulationen kosten Panalpina viel Geld

Konzernchef geht
Buchungsmanipulationen kosten Panalpina viel Geld

Der Schweizer Logistikkonzern Panalpina hat bei seiner wichtigen Luftfrachttochter Buchungsmanipulationen durch einen altgedienten Manager entdeckt. Konzernchef Bruno Sidler nimmt deswegen seinen Hut - was Analysten zum Kopfschütteln veranlasst.

HB BASEL. Der einmalige und isolierte Vorfall führe für die Jahre 2004 und 2005 zu einer Belastung von insgesamt 33 Millionen Schweizer Franken, teilte der in Basel ansässige Konzern am Mittwoch mit. Panalpina rechnet für 2005 trotz dieses Verlusts mit einem Konzerngewinn, der über dem Vorjahresresultat liegen werde, wie Finanzchefin Monika Bigar in einer Telefonkonferenz bestätigte. 2004 hatte Panalpina 111 Millionen sfr Reingewinn erzielt, für 2005 hatte der Markt den Panalpina-Reingewinn auf 137 Millionen sfr geschätzt.

Die Buchungsmanipulationen wurden nach Aussagen eines Panalpina-Sprechers von einem Manager der Luftfrachttochter Airfreight während der vergangenen 14 Monate durchgeführt, der für die Buchung von Laderaumkapazitäten zuständig war. „Dabei werden hohe Summen vorgeschossen, da das Anmieten von Laderaum und ganzen Flugzeugen teuer ist“, sagte der Sprecher. Der Mitarbeiter habe sich jedoch verspekuliert, hohe Verluste angehäuft und diese in den Büchern kaschiert. „Er hatte die Hoffnung, die Beträge durch spätere Gewinne auszugleichen“, sagte er.

Mitwisser oder Komplizen seien nicht bekannt. „Er hat seine Reputation und Position eingesetzt, und niemand hätte vermutet, dass er so etwas tut“, sagte der Sprecher weiter. Der seit 20 Jahren bei Panalpina beschäftigte Manager habe sich aber zu keinem Zeitpunkt selbst bereichert und, nachdem die Schiebung Mitte Dezember aufgeflogen war, sehr kooperativ verhalten. Ein interne Untersuchung in Zusammenarbeit mit den Buchprüfern von PricewaterhouseCoopers habe ergeben, dass es sich bei dem Betrug um einen einmaligen Vorgang gehandelt habe.

Konzernchef Bruno Sidler hat mit seinem sofortigen Rücktritt die Verantwortung für den Vorfall übernommen. Jedoch zeigen sich Analysten und selbst die Panalpina-Führung von dem drastischen Schritt überrascht. „Wir wissen davon erst seit weniger als 24 Stunden, und es war ganz allein seine Entscheidung“, sagte Verwaltungsratspräsident Gerhard Fischer.

Sidler stehe mit dem Betrug in keinerlei Verbindung; und mit seinem Abgang sei kein Strategiewechsel verbunden. Auch von Seiten des Grossaktionärs, der Ernst Göhner-Stiftung, habe es keine Rücktrittsforderungen gegeben. Bis zur Berufung eines neuen Konzernchefs werde Fischer das Unternehmen leiten. Er war bereits von 1987 bis 1998 CEO von Panalpina.

Die Verluste aus den Manipulationen werden den Angaben zufolge das Konzernergebnis des zurückliegenden Jahres um 22 Millionen sfr und von 2004 um elf Millionen sfr schmälern. „Der Vorfall wird aber auf das Jahr 2006 keinen Einfluss haben“, sagte Ribar.

In den ersten neun Monaten des abgelaufenen Jahres hatte das Unternehmen bei einem Nettoumsatz von knapp fünf Milliarden sfr rund 103 Millionen sfr Reingewinn erzielt. Auch die Entwicklung im Jahresschlussquartal sei positiv verlaufen. „Unser Kerngeschäft entwickelt sich extrem gut“, so Ribar zum derzeitigen Gang der Geschäfte.

Helvea-Analyst Chris Burger bereitet nach eigenen Angaben weniger der finanzielle Schaden als der Vertrauensverlust der Anleger Sorgen. Den Aktien des grösseren Panalpina Konkurrenten Kühne+Nagel sei der Vorzug zu geben. Mit der gleichen Begründung senkt Britta Simon von der Bank Sarasin die Einstufung auf „neutral“ von zuvor „buy“. Und Zürcher Kantonalbank-Experte Marco Strittmacher erachtet es zudem als negativ, dass mit Sidler eine langjährige Führungsperson mit einer beachtlichen Branchenkenntnis das Handtuch wirft.

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