Konzerne befürchten als Folge noch schwächere Konsumlust
Handel stemmt sich gegen Steuerpläne

Die deutschen Handelskonzerne Metro, Karstadt-Quelle, Rewe und Otto haben die Politiker vor einer Erhöhung der Mehrwertsteuer gewarnt. „Die Empfehlung kann nur sein, nicht weiter an der Kaufkraft der Kunden zu knabbern“, sagte Metro-Vorstandschef Hans-Joachim Körber.

HAMBURG. Auch der Essener Handelskonzern Karstadt-Quelle befürchtet, dass der Inlandskonsum durch eine Steueranhebung einen kräftigen Dämpfer bekommt. „Wir sehen eine Mehrwertsteuererhöhung kritisch. Sie würde aber unsere Sanierung nicht belasten“, hob ein Konzernsprecher hervor. Der Warenhauskonzern hatte 2004 einen milliardenschweren Verlust eingefahren.

In den großen Parteien wird derzeit darüber nachgedacht, die Mehrwertsteuer nach der Wahl im Herbst von 16 auf 18 Prozent zu erhöhen. Im Gegenzug soll der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf fünf Prozent gesenkt werden, heißt es. Die Mehrwertsteuer wurde zuletzt am 1. April 1998 von 15 auf 16 Prozent angehoben. In Europa gilt derzeit im Durchschnitt ein Mehrwertsteuersatz von 20 Prozent. Mittlerweile bröckelt sogar in der FDP die Ablehnungsfront gegen eine höhere Mehrwertsteuer. Laut „Handelsblatt“ setzt sich der Fraktionschef in Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Lindner, für eine Erhöhung auf maximal 18 Prozent ein.

Der Chef des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts, Thomas Straubhaar, hat sich für eine deutliche Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 20 Prozent ausgesprochen. „Ich wäre mutiger und würde die Mehrtwertsteuer um vier Prozent anheben und auch den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent streichen“, sagte Straubhaar der „Berliner Zeitung“. Im Gegenzug plädierte der Wirtschaftsforscher dafür, die Beiträge der Arbeitslosenversicherung um vier Prozent zu senken. Die durch eine höhere Mehrwertsteuer steigenden Lebenshaltungskosten für Konsumenten ließen sich durch pauschale Steuerfreibeträge auffangen.

Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) stemmt sich gegen die Pläne der Politiker. „Dies ist der falsche Weg“, sagte ein Sprecher des Verbands. Die Begründung: Die deutschen Handelsunternehmen hätten angesichts des schlechten Konsumklimas keine Möglichkeit, eine Erhöhung der Verbrauchersteuer auf 18 Prozent an die Kunden weiterzugeben. „Es dürfte nicht möglich sein, eine Steuererhöhung in den Preisen weiterzugeben“, sagte auch ein Sprecher der Kölner Rewe-Gruppe. Dies würde das Ergebnis der Handelsgruppe belasten.

Seite 1:

Handel stemmt sich gegen Steuerpläne

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%