Konzerne zahlen Tarif
Firmen zahlen weniger Weihnachtsgeld

Viele Arbeitnehmer müssen diesem Jahr wegen der schwachen Konjunktur mit weniger Weihnachtsgeld rechnen - quer durch alle Branchen. Lediglich Großkonzerne werden die vereinbarte Zahlung leisten, ergab eine Umfrage.

HB HAMBURG. Vor allem im Einzelhandel und vereinzelt im Hotel- und Gaststättengewerbe erwarten Branchenverbände Kürzungen. Bei tariflich vereinbarten Sonderzahlungen kann es allerdings keine Einschränkungen geben. In der Bauwirtschaft wurde am Mittwoch noch über eine Senkung des tariflich fixierten Weihnachtsgeldes verhandelt. Bei den Beamten planen die meisten Bundesländer Einschnitte. Dagegen gaben Großkonzerne quer durch alle Branchen in einer Umfrage der Deutschen Presseagentur an, die betriebsintern oder tariflich vereinbarte Zahlung unverändert zu leisten.

„Insgesamt gehen wir davon aus, dass weniger ausgeschüttet wird als im Vorjahr“, sagte Heribert Jöris vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) mit Blick auf außertarifliche Sonderbezüge zu Weihnachten. Vor allem in der Möbel- und Textilbranche rechne er mit geringeren Zahlungen. Auch im Hotel- und Gaststättengewerbe überlegen Betriebe nach Angaben des Branchenverbandes DEHOGA, übertarifliche Leistungen einzuschränken. „Die Sicherung des Arbeitsplatzes hat Vorrang vor dem Weihnachtsgeld“, sagte eine Sprecherin. Eine Kürzung tariflich festgelegter Weihnachtsbezüge sei aber nicht zu befürchten.

„Der Tarifvertrag ist ein Schutz gegen ein schnelles Beschneiden dieser Leistung“, erläuterte der Tarifexperte der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Reinhard Bispinck, in einem dpa-Gespräch. Für fast 98 Prozent der von Tarifverträgen erfassten westdeutschen Arbeitnehmer seien Jahres-Sonderzahlungen festgeschrieben. In Ostdeutschland hätten 89 Prozent der Mitarbeiter in tarifgebundenen Betrieben einen solchen Anspruch.

Auf Einschnitte beim Weihnachtsgeld müssen sich Beamte in vielen Bundesländern einstellen - spätestens 2004. In Bremen etwa sollen Beschäftigte im öffentlichen Dienst dann im Schnitt nur noch 50 Prozent eines Monatseinkommens erhalten. In diesem Jahr werden nach Angaben des Finanzressorts noch 84 Prozent gezahlt.

Mit Kürzungen müssen auch die Mitarbeiter einiger Schiffsbauer und der Steinkohleindustrie rechnen, etwa bei Deutschlands größter Werft HDW in Kiel. Gar kein Weihnachtsgeld erhalten die knapp 2400 Beschäftigten der zum norwegischen Aker-Konzern gehörenden Werften in Wismar und Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern). Ebenso ergeht es den 1270 Schiffbauer der Stralsunder Volkswerft. Die Deutsche Steinkohle AG (DSK) im Saarland, bei der es zeitweise mehr als ein volles Monatsgehalt zusätzlich gab, hat die Weihnachtsbezüge für die Jahre 2002 bis 2005 um 25 Prozent gekürzt.



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