Konzernführung und Pilotengewerkschaft bauen Drohkulisse auf
Tarifstreit bei Lufthansa spitzt sich zu

Im lange schwelenden Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wird der Ton schärfer. Erstmals droht die Interessenvertretung der gut 3300 Lufthansa-Piloten mit einem „offenen Konflikt“ für den Fall, dass der Vorstand den Konzerntarifvertrag umgehen und Geschäft auf Partnergesellschaften auslagern sollte.

HB DÜSSELDORF. Auslöser des neuen Streits sind Spekulationen, wonach die Konzernführung fünf Jets vom Typ Boeing 737 bald an ihre 100-prozentige Italien- Tochter Air Dolomiti abgeben könnte. Die Pilotenvereinigung habe diesbezüglich „sehr konkrete Hinweise von der Betriebsebene“ erhalten, sagte ein VC-Sprecher. „Sollte sich dies bestätigen, ist fraglich, ob der offene Konflikt zwischen Management und Personal (...) noch vermieden werden kann“, heißt es in einem internen VC- Schreiben an Lufthansa-Piloten, das dem Handelsblatt vorliegt.

Die Lufthansa dementierte jedoch, dass sie erstmals große Jets an die bisher mit Regionalflugzeugen operierende Air Dolomiti abgeben will. „Lufthansa hat keine Pläne, Flugzeuge ihrer eigenen Flotte bei Air Dolomiti in Dienst zu stellen“, sagte eine Sprecherin. Konzernchef Wolfgang Mayrhuber hat allerdings mehrfach betont, er werde Flüge künftig auf günstiger operierende Partner des Luftfahrtverbunds Star Alliance verlagern, sollte das eigene Personal nicht bald deutlichen Kostensenkungen zustimmen: „Verbundwachstum geht künftig über Lufthansa-Wachstum“, hatte Mayrhuber Ende September in einem Handelsblatt-Interview erklärt.

Der Druck auf den Konzern ist groß, weil die Durchschnittserlöse auf vielen Europastrecken dramatisch eingebrochen sind . Flugpreise weit unter der 100-Euro-Marke können allenfalls schlank aufgestellte Billigflieger wie Ryanair oder Easyjet profitabel darstellen, nicht aber Konzerne wie Lufthansa, die ein aufwendiges Drehkreuzsystem mit vielen Umsteigern betreiben. Der frühere Lufthansa-Manager und heutige Condor-Vorstand Ralf Teckentrup betonte kürzlich auf einem Touristikkongress, Lufthansa fliege im Vergleich zu Easyjet mit fast doppelt so hohen Stückkosten. Das Lufthansa-Management hat aus diesem Grund für die nächsten beiden Jahre konzernweit Einsparungen in Höhe von 1,2 Mrd. Euro gefordert, davon 300 Mill. Euro im Personalbereich.

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