Konzernpleite
Agfa-Pleite holt Konzernchef Verhoeven ein

Die Pleite des Leverkusener Traditionsunternehmens Agfa Photo wird jetzt auch für Agfa-Gevaert-Vorstandschef Ludo Verhoeven zur Belastung. In einem unabhängigen Gutachten attestieren die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young dem 63-jährigen Belgier, bei der Berechnung des damaligen Verkaufspreises gegen etliche Richtlinien verstoßen zu haben.

KÖLN. Vor zwei Jahren hatte das Gerangel mit dem Käufer über den endgültigen Preis von Agfa Photo den Leverkusener Film- und Fotoentwickler in die Insolvenz getrieben. 1 800 Beschäftigte wurden arbeitslos.

Das Gutachten, in Auftrag gegeben von der Käufergesellschaft um den Investor Hartmut Emans sowie von Agfa-Gevaert selbst, stellt Verhoevens damaliges Vorgehen in ein fragwürdiges Licht. Im November 2004 hatten sich Emans und Verhoeven bei der Firmenübernahme darauf verständigt, den abschließenden Kaufpreis durch ein Schiedsverfahren klären zu lassen. Vier Monate später jedoch veröffentlichte Agfa-Gevaert einseitig eine Kaufsumme von 112 Mill. Euro, die sich auch im Jahresabschluss 2004 wiederfand.

Doch weil Emans sich weigerte, den Forderungen aus Belgien nachzukommen, drehte ihm Agfa-Gevaert den Geldhahn zu. Für den Grafikkonzern war dies ein Kinderspiel: Da Agfa Photo kurz nach der Ausgründung noch kein eigenes Inkasso besaß, sammelte die ehemalige Mutter über ihre Vertriebsorganisation weiterhin die Rechnungsgelder in 30 Ländern ein, um sie dann nach Leverkusen weiterzuleiten. Doch dort kamen die meisten Gelder nie an. „Kurz vor der Insolvenz besaß Agfa Photo fällige Zahlungsforderungen in Höhe von 41,8 Mill. Euro“, sagte Hartmut Emans dem Handelsblatt. „Wäre dieses Fehlverhalten Agfa-Gevaerts ausgeblieben“, meinte der ehemalige McKinsey-Direktor, „hätte die Insolvenz vermieden werden können.“

Während sich eine Konzernsprecherin in Belgien dazu auf Anfrage nicht äußern wollte, bestätigte der ehemalige Insolvenz-Geschäftsführer Hans-Gerd Jauch auf einer Gläubigerversammlung: Agfa-Gevaert habe Druck auf Emans ausüben wollen, den einseitig festgelegten Kaufpreis für Agfa-Photo zu akzeptieren. Dass sich Verhoeven damit auf dünnes Eis begab, bescheinigt ihm nun Ernst & Young. Die Prüfer nämlich taxierten den Wert von Agfa Photo auf lediglich 81 Mill. Euro – 31 Mill. Euro weniger als von Agfa-Gevaert damals gefordert. Die Korrekturen seien „in line“ mit den Erwartungen, heißt es dazu nun im Halbjahresbericht lapidar.

Zum Verhängnis wurde Agfa Photo außerdem, dass Verhoeven dem Erwerber die regelmäßig aktualisierten Geschäftspläne vorenthielt. Erst vier Wochen vor der Insolvenz fiel Emans ein zwölf Monate alter Vorstandsbeschluss von Agfa-Gevaert in die Hände, nach dem der Konzern die Tochter schon 2004 wegen des schleppenden Geschäftsgangs hatte dicht machen wollen – bei veranschlagten Schließungskosten von 477 Mill. Euro. Bis dahin hatte er auf den von Verhoeven vorgelegten „mittelfristigen Geschäftsplan“ vertraut, den der Erwerber heute als „getürkt“ bezeichnet.

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