Konzernstrategie
Hochtief will den Kurs halten

Auf der Hauptversammlung warb Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter für eine Fortsetzung der alten Strategie. Der neue spanische Großaktionär ACS blieb dort noch unter den Zuschauern. Doch die Rolle des stillen Teilhabers bei Hochtief dürfte ACS nicht mehr lange spielen. Beobachter gehen davon aus, dass er langfristig die Übernahme des Baukonzerns anpeilt.

ESSEN. Für Herbert Lütkestratkötter hätte die erste Hauptversammlung als Hochtief-Chef kaum besser laufen können. Gleich mit zwei neuen Großprojekten konnte er bei dem neuen Großaktionär ACS für eine Fortsetzung der Unternehmensstrategie als Baudienstleister werben: der Übernahme des Flughafens Budapest für knapp zwei Mrd. Euro nach einem Verhandlungsmarathon und der Übernahme der Immobilienverwaltung des Versicherungskonzerns Allianz mit 440 Mitarbeitern und über 600 Objekten. Hochtief versucht, sich durch den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts rund um Bau und Immobilien sowie das Management von Verkehrsinfrastrukturprojekten wie Flughäfen und Autobahnen unabhängiger vom stark zyklischen Bau- und Projektgeschäft zu machen. Lütkestratkötter hatte kürzlich den langjährigen Hochtief-Chef Hans Peter Keitel abgelöst, der aus „persönlichen Gründen“ vorzeitig sein Amt aufgegeben hat.

Die Übernahme des 25-Prozent Anteils an Hochtief vom vorherigen Großaktionär Custodia sorgte bereits für personelle Veränderungen im Aufsichtsrat. Hochtief-Aufsichtsratschef Martin Kohlhaussen kündigte den Rücktritt der beiden Custodia-Vertreter Gerd Peskes und Sergio Marchionne für Anfang Juni an. Eine Neubesetzung ist zunächst nicht vorgesehen. Erwartet wird aber, dass ACS die beiden frei werdenden Plätze übernimmt. Mit ACS-Chef Florentino Perez Rodriguez und ACS-Manager Angel Gracia Altozana saßen bereits zwei Vertreter des neuen Großaktionärs unter den 700 Aktionären. Kohlhaussen kündigte zudem an, dass Ex-Hochtief-Chef Keitel zu „gegebener Zeit“ in den Aufsichtsrat gewählt werden soll. Beobachter gehen davon aus, dass Keitel Kohlhaussen als AR-Chef ablöst.

Vorstandschef Lütkestratkötter demonstrierte gutes Einvernehmen. Hochtief habe bereits Gespräche mit ACS geführt. „Sie waren sehr konstruktiv und professionell“, sagte Lütkestratkötter. ACS sei kein Finanzinvestor und für Hochtief auch kein Fremder, sondern seit langem aus partnerschaftlicher Zusammenarbeit bekannt. Die Aktionärsstruktur habe mit ACS wieder Stabilität bekommen. Frühere Spekulationen über eine Zerschlagung des Konzerns, die wegen des Ausstiegs von Custodia kursierten, seien vom Tisch. Hochtief bleibe unabhängig. Er bestätigte aber, dass auch Hedge-Fonds eingestiegen seien, deren Anteile aber relativ klein seien.

Lütkestratkötter bestätigte auch, dass Hochtief Gespräche mit dem neuen russischen Aktionär, der Basic Element des Milliardärs Oleg Deripaska, über eine Kooperation bei Großprojekten in Russland geführt hat. Deripaska ist mit über drei Prozent bei Hochtief eingestiegen und will seine Beteiligung ausbauen. Deripaska hatte sich auch für den Anteil der Custodia interessiert, war aber abgeblitzt. Daraufhin hat er sich mit 30 Prozent beim Konkurrenten Strabag in Österreich eingekauft. Sowohl Hochtief als auch die Strabag wollen ihr Russlandgeschäft ausbauen. Lütkestratkötter sieht keine Konflikte oder Probleme wegen der Strabag-Beteiligung des Russen. Es gebe genügend Projekte für beide. Ähnlich hatte sich die Strabag geäußert.

In Deutschland hat Hochtief inzwischen nach anhaltenden Verlusten die Notbremse gezogen. Der Konzern will das Geschäft als Generalunternehmer zurückfahren und dafür das einträglichere Bauträgergeschäft ausbauen. Hochtief hatte die baukonjunkturelle Entwicklung falsch eingeschätzt und war als Generalunternehmer durch steigende und vertraglich offenbar nicht abgesicherte Preise für Baumaterialien und Leistungen von Subunternehmen in Schwierigkeiten geraten. Hochtief werde sich aber nicht aus dem deutschen Baugeschäft zurückziehen, stellte Lütkestratkötter klar.

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