Konzerntochter setzt Ferienflieger unter Druck
Rewe will Billigflüge verhindern

Weil die Reiseveranstalter große Kontingente vorab buchen, können Ferienflieger wie Air Berlin, Condor oder Hapag-Lloyd-Flug Billigtickets für Flüge nach Mallorca oder in andere Urlaubsregionen anbieten. Damit soll jetzt Schluss sein, meint Rewe Touristik-Chef Dietmar Kastner.

HB FRANKFURT/M. Kastner will die Fluggesellschaften wegen der Billigtarife unter Druck setzen. Die Angebote seien nur möglich, weil Reiseveranstalter ihnen zuvor einen Großteil der Sitzplätze zu wesentlichen höheren Preisen garantiert hätten, sagte er im Fachmagazin „Touristik-Report“. „Damit ist bald Schluss. Wir denken sehr ernsthaft darüber nach, schon im Winter den Airlines keinerlei Garantien mehr zu geben“, sagte Kastner in dem vorab veröffentlichten Interview.

Rewe könne dann nur noch ein geringes Grundvolumen an Flugplätzen vorab buchen und je nach Bedarf kurzfristig flexibel zubuchen. Denkbar sei auch, mit ausländischen Fluggesellschaften zusammenzuarbeiten. Mit einem Verzicht auf die garantierte Buchung größerer Flugkontingente wäre das Jahrzehnte lang praktizierte Geschäftsmodell der meisten deutschen Ferienfluggesellschaften in Frage gestellt.

Die Touristik-Sparte des Handelskonzerns Rewe ist in Deutschland mit zuletzt 4,4 Mrd. Euro Jahresumsatz drittgrößter Reiseanbieter nach TUI und Thomas Cook. Rewe ist zu 40 Prozent an der Fluggesellschaft LTU beteiligt, bucht aber auch große Kontingente bei anderen, vor allem Air Berlin.

Kastner warf den Fluggesellschaften der anderen Reisekonzerne vor, mit ihren Billigangeboten für die nicht bei Veranstaltern verkauften Sitzplätze die gesamte Reisebranche kaputt zu machen. „Wir sind die einzige Branche, die allmählich kollektiv Selbstmord begeht“, sagte Kastner. Mit Billigpreisen lasse sich eine angeschlagene Fluggesellschaft wie die Cook-Tochter Condor nicht sanieren. Ebenso bezweifle er, dass Joachim Hunold die Preispolitik bei seiner zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft gewachsenen Air Berlin noch lange durchhalten könne.

„Es ist kein Geheimnis, dass ein Veranstalter bei normaler Kalkulation auf einen Preis von 200 Euro für einen Hin- und Rückflug nach Palma de Mallorca kommt“, sagte Kastner. Die Angebote im Internet von der TUI-Fluggesellschaft Hapag-Lloyd-Flug, der Cook-Tochter Condor oder Air Berlin lägen aber zwischen 70 und 141 Euro. „Auf Grund dieser Billigtickets verlieren die Veranstalter natürlich weiter Passagiere. Am Ende verdient keiner mehr Geld“, sagte Kastner. Auf der Baleareninsel Mallorca, dem mit Abstand wichtigsten Pauschalurlaubsziel der Deutschen, verdiene inzwischen kein Veranstalter mehr Geld. „Wir werden der Entwicklung jedenfalls nicht tatenlos zusehen.“

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