Konzernumbau: Künftig nur drei Bereiche
Bahnchef Mehdorn strafft die Zügel

Von seinen ehrgeizigen Gewinnzielen hat sich Bahnchef Hartmut Mehdorn nach der Absage des 2006 geplanten Börsenganges verabschiedet. Nun will die Bahn zunächst ihre Konzernstruktur straffen und das Geschäft stärker aus der Zentrale steuern. Den Mitarbeitern wurde eine moderatere Planung bis 2009 angekündigt. Mit einem Umbau des Konzerns solle künftig Bürokratie abgebaut und der Konzern flexibler gemacht werden.

HB BERLIN. „Die Ergebnisziele bis 2009 wurden zurückgenommen“, schrieb Mehdorn am Donnerstag an seine Mitarbeiter in einem Brief, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Selbst das Sanierungsprogramm „Fokus“, das 2,1 Mrd. € an Einsparungen gebracht habe, habe die schlechte Konjunkturlage, die hohen Energiepreise sowie die Kürzungen der öffentlichen Mittel nicht ausgleichen können. „Wir haben also etwas Anspannung aus der Planung genommen“, schrieb er den Mitarbeitern. Aber auch in den nächsten Jahren würden Ergebnissteigerungen im dreistelligen Millionenbereich geplant.

Der Konzern solle künftig nur noch drei Bereiche umfassen, schreibt Mehdorn: Personenverkehr, Transport und Logistik sowie Infrastruktur. Bisher sind es noch fünf: Personenverkehr, Transport und Logistik, Personenbahnhöfe, Fahrweg und Dienstleistungen. In Kreisen der Regierungskoalition wurde aber darauf hingewiesen, dass ein umfassender Abbau der selbstständigen Aktiengesellschaften unterhalb der Konzernebene Gesetzesänderungen benötige. Dafür werde es aber wohl kaum eine Mehrheit geben. Dies müsse zudem noch mit dem Bund als Anteilseigner besprochen werden.

Nach Vorstellung der Bahn sollen mit der neuen Struktur die „bisher oft zu langwierigen Entscheidungsprozesse“ verkürzt und Bürokratie verringert werden. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ könnte ein großer Teil der insgesamt 47 Vorstandsposten und 278 Aufsichtsratsmandate überflüssig werden. Die Bahn kommentierte dies nicht.

Mehdorn räumte in den Brief auch die andauernden Probleme im Fernverkehr sowie im Schienen-Güterverkehr ein. Er machte aber deutlich, dass der Güterverkehr nicht auf die Straße verlagert werden solle. Ziel sei, trotz des Kaufs der Spedition Schenker die Schiene zu stärken. „Wir wollen mit dem, was wir tun, möglichst immer auch die Schiene stärken, weil das sowohl unternehmerisch als auch verkehrspolitisch der richtige Weg für unseren Konzern und übrigen auch für dieses Land ist.“

Im Fernverkehr habe man trotz der Probleme im Oktober mit 46 % die höchste Auslastung seit Jahren erreicht. Die Schiene habe sogar Marktanteile gewonnen. Selbst im Schienen-Güterverkehr habe man Marktanteile gewonnen. „Für den Erfolg des Unternehmens müssen wir aber noch einiges tun, um in unserem Planungskorridor zu bleiben.“ Es werde ein neues Programm mit dem Namen „Qualify“ aufgelegt. Nach Informationen aus Kreisen des Unternehmens sollen damit jährlich eine Milliarde Euro gespart werden.

„Insgesamt werden wir mit unserem Konzernergebnis im Zielkorridor auf unserem Weg zur Kapitalmarktfähigkeit bleiben“, schreibt Mehdorn weiter, ohne ein Datum zu nennen. Er hatte eigentlich dafür 2005 angepeilt, in Unternehmenskreisen hatte es aber zuletzt geheißen, 2007 sei realistisch. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte einen Börsengang 2007 oder 2008 als möglich bezeichnet.

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