Kooperation gescheitert
China verhindert Allianz der Containerriesen

Sie wollten gemeinsam durch die Krise steuern, doch diesen Plan müssen große Containerschiff-Reedereien nun begraben. Maersk-Aktien brechen ein. Das Verbot aus China trifft auch den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven.
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KopenhagenChina hat den drei weltgrößten Containerschiff-Reedereien überraschend die Bildung einer Allianz untersagt. Der dänische Weltmarktführer Maersk erklärte am Dienstag, das chinesische Handelsministerium habe seine Zustimmung zu der geplanten Kooperation verweigert. Maersk wollte mit der in der Schweiz ansässigen MSC Mediterranean Shipping Company und CMA CGM aus Frankreich Ladekapazitäten gemeinsam nutzen, um erfolgreich durch die Branchenkrise mit sinkenden Frachtpreisen und hohen Überkapazitäten zu kommen. Dies bekam auch die Reederei des Mischkonzerns Oetker zu spüren.

Die geplante Allianz der drei weltweit führenden Schifffahrtsunternehmen ist überraschend geplatzt. Das chinesische Handelsministerium habe seine Zustimmung zu dem geplanten Netzwerk verweigert, teilte die Reederei Maersk am Dienstag in Kopenhagen mit. Es entspreche nicht den Regeln der chinesischen Fusionskontrolle. Damit würden die Partner das Projekt nicht weiterverfolgen; die Vorbereitungsarbeiten seien gestoppt.

Neben Maersk wollten sich die französische Linie CMA CGM und die schweizerische MSC an der P3-Allianz beteiligen. Sie hatten vor einem Jahr ihre Absicht verkündet, Containertransporte in der Ost-West Richtung aufeinander abzustimmen. Das ist unterhalb der Schwelle einer Fusion; es ging um die gemeinsame Planung von Schiffen und Linien. Ziel des Plans war es, ein effizienteres Netzwerk zu bilden und damit Kosten zu sparen.

Den Widerstand der chinesischen Seite führen Hamburger Schifffahrtsexperten auf eigene Interessen zurück. Die chinesischen Reedereien Cosco und China Shipping haben in den vergangenen Jahren hohe Verluste eingefahren. Auf den Routen zwischen Europa und Asien hätten die P3-Partner einen Marktanteil von rund 40 Prozent erreicht und zusätzlichen Wettbewerbsdruck aufbauen können. Von dem Scheitern der Allianz könnte auch die deutsche Linienreederei Hapag-Lloyd profitieren, die nach der laufenden Fusion mit der chilenischen CSAV die Nummer vier unter den globalen Containerreedereien sein wird.

Erst vor zwei Wochen hatte die EU ihre Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert. „Die Entscheidung ist für uns eine Überraschung“, sagte Maersk-Chef Nils S. Andersen. Sein Unternehmen werde die angestrebten Verbesserungen für die Kunden nun ohne das P3-Netzwerk erreichen. Das Scheitern des Projektes habe keine Auswirkungen auf das Ergebnis der Reederei für 2014.

Der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven hofft nun auf eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. „Wir bedauern diese Entscheidung und werden daran arbeiten, andere Reedereien zu überzeugen“, sagte Geschäftsführer Andreas Bullwinkel. Es sei nun auch eine Zusammenarbeit mit den drei Reedereien einzeln denkbar. Deutschlands einziger Tiefwasserhafen hatte sich von dem Verbund eine deutliche Umschlagssteigerung erhofft. Dort blieben die Umschlagzahlen bislang deutlich unter den Erwartungen.

Die geschäftliche Bedeutung des „P3“ getauften Bündnisses signalisierte der Aktienkurs: Maersk-Titel fielen an der Kopenhagener Börse um mehr als fünf Prozent. „Das ist sehr negativ für Maersk. Sie können nun nicht mehr die geplanten Ersparnisse von rund eine Milliarde Dollar erzielen“, erklärte Analyst Jacob Pedersen von der Sydbank. Zusammen kontrollieren die Reedereien mit rund 250 Schiffen knapp 40 Prozent des weltweiten Containergeschäfts. Im März hatten die USA der Allianz grünes Licht gegeben, und auch die EU-Kommission sah keine Probleme.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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