Kooperation mit Foxconn
Metro eröffnet Media Markt in China

Handelskonzern Metro hat seinen ersten Media Markt in China eröffnet. Das Geschäft in Schanghai ist eine Kooperation mit dem Elektronik- Produzent Foxconn. Der chinesische Partner aber ist nicht unumstritten.
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SCHANGHAI. Mit der Eröffnung des ersten Media Markts in Schanghai wagt die Metro-Gruppe den Einstieg in den chinesischen Markt. Partner bei dem Gemeinschaftsunternehmen ist der Elektronikriese Foxconn aus Taiwan, der für Apple, Sony, Hewlett-Packard und praktisch alle großen Marken als Auftragshersteller fertigt - vom Smartphone über Notebooks bis zur Spielkonsole.

Selbst der öffentlichkeitsscheue Foxconn-Chef Terry Gou war angereist - bei der Pressekonferenz mit Metrochef Eckard Cordes ließ er sich jedoch von seinem Assistenten Louis Woo vertreten.

Vom Stil des Media-Markt-Geschäftes zeigte sich der chinesische Milliardär beeindruckt: Er mag die Aufgeräumtheit des Geschäftes und die Orientierung am Kunden.

Die Partner ergänzen sie sich wie Yin und Yang. Mediamarkt-Saturn verkauft Elektronik, Foxconn stellt sie her - und beide rangieren in ihrem Geschäft an der Weltspitze. Metro will jetzt China erobern, Foxconn will künftig in Europa mehr absetzen - und beide haben bisher wenig Ahnung vom Territorium des anderen. "Das ist der Beginn einer großen Partnerschaft", sagte Gou.

Gou will vor allem eines: weiteres Turbo-Wachstum seines Unternehmens sicherstellen. Seit der Gründung 1974 stieg der Umsatz jährlich um rund ein Drittel. Die einzigartige Leistungs Foxconns besteht darin, stets diskret und in guter Qualität die Waren herzustellen, die Markenanbieter dann unter eigenem Namen verkauften - und zwar so, dass eine fette Marge bleibt. Doch auf dem erreichten Niveau als Auftragshersteller lässt sich das superschnelle Wachstum nicht mehr aufrecht erhalten. Gou hat das jährliche Ziel bereits auf 15 Prozent zurückgefahren, doch selbst dafür braucht er jetzt dringend neue Märkte und Vertriebswege. Diese sucht er sowohl im Wachstumsmarkt China als auch international. Hier kommt die Metro ins Spiel: Sie ist mit Media Markt in 17 Ländern vertreten.

Mit der Neueröffnung in Schanghai ist nun der Anfang der Zusammenarbeit gemacht. Das knallige Rot des im Laden allgegenwärtigen Logos trifft genau den chinesischen Geschmack. Artisten in Tigerkostümen führen einen wilden Tanz auf, wie sich das für eine zünftige Eröffnung in China gehört. Auch mit der gewaltigen Größe von 9 500 Quadratmetern Verkaufsfläche auf fünf Etagen liegt Metro voll im Trend: Im bevölkerungsreichsten Land der Welt muss alles immer so groß wie möglich sein. Spartenchef Roland Weise hat noch viele weitere Argumente, warum die geplanten 100 China-Filialen reichlich Kunden finden werden: etwa, dass die Ware nicht wie "Kraut und Rüben" durcheinanderliege - anders also als bei der Konkurrenz.

Doch der Start in Peking ist zu einem guten Teil Werk des Partners Foxconn. "Beispielsweise ist das Thema Immobilienmanagement in China für ausländische Unternehmen schwer zu beherrschen, das können die Chinesen viel besser", sagt Unternehmensberater Christian Paul von Alix Partners in Schanghai. Generell dürfte der Vorstoß der Deutschen in den chinesischen Elektroeinzelhandel kein Spaziergang werden. "Der Markt ist von einigen Spielern stark dominiert", so Paul. Vor allem die einheimischen Ketten Suning und Guomei lassen für die Konkurrenz keine Lücke - und zwar wortwörtlich: Dem US-Konkurrenten Best Buy setzen sie aus Prinzip stets einen eigenen Markt vor die Nase. Dann unterbieten sie dessen Preise. "Als Ausländer kann man mit den chinesischen Kostenstrukturen kaum mithalten", sagt Paul. Hier kann wiederum Foxconn helfen - das Unternehmen kennt alle Tricks und Kniffe des Marktes.

Für den Markteintritt ist Foxconn also genau der richtige Partner. Doch Fragen nach dessen Imageproblemen bringen selbst den erfahrenen Metro-Chef Cordes für einige Sekunden in Verlegenheit. Mitte des Jahres hatte eine Selbstmordserie am größten Foxconn-Standort Geschäftspartner wie Apple aufgeschreckt. Die Erinnerung daran wirkt nach, und unabhängig von den tatsächlichen Arbeitsbedingungen halten sich Zweifel an dem Unternehmen. "Ich glaube nicht, dass die besten Brands der Welt mit Urwaldfabriken zusammenarbeiten", sagt der Metro-Chef schließlich. Inspektoren kann und will er noch nicht in die Fabriken schicken - schließlich ist Foxconn für das Media-Markt-Projekt in China jetzt gleichberechtigter Partner.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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