Kooperation mit Lufthansa?
Ryanair will Zubringerflüge übernehmen

Zubringerflüge zu Langstreckenflügen werden nach Ansicht von Ryanair-Chef Michael O'Leary in absehbarer Zeit von Billiganbietern übernommen. Branchenexperten können sich das nicht vorstellen – genau wie die Lufthansa.
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London/DublinTraditions-Airlines wie die Lufthansa werden nach den Vorstellungen von Ryanair-Chef Michael O'Leary bald keine eigenen Zubringerflüge mehr zu ihren Langstreckenflügen anbieten. „In fünf oder zehn Jahren werden Billiganbieter, also in erster Linie wir selbst und Easyjet, in Europa wesentlich mehr Zubringerflüge für die großen Airlines anbieten“, sagte O'Leary in London. Die Kosten für Europa-Flüge seien für alteingesessene Fluglinien schlicht zu hoch, weshalb die Tage dieses Modells gezählt seien. Ein Rückzug aus der Fläche würde es Lufthansa, British Airways und Air France ermöglichen, sich auf das deutlich gewinnträchtigere Geschäft mit Verbindungen nach Übersee zu konzentrieren.

Der Vorschlag würde die Strategie angestammter Airlines auf den Kopf stellen. Seit Jahrzehnten fußt ihr Geschäft darauf, Passagiere aus ganz Europa zu bestimmten Zeiten an ihre Drehkreuze – bei der Lufthansa also Frankfurt und München – zu transportieren, um dort dann die Langstreckenflugzeuge zu füllen. Nach Ansicht von Branchenexperten wird sich etwa ein dänischer Geschäftsmann nicht in Kopenhagen in eine Ryanair-Maschine nach Frankfurt zwängen, dort auf eine halbe Stunden an der Gepäckausgabe auf seinen Koffer warten, um dann gleich für seinen Lufthansa-Flug nach New York einzuchecken. Eine Verknüpfung der Flüge – das sogenannte Interlining, bei der das Gepäck weitergeleitet wird – sei aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, sagte Ryanair-Finanzchef Neil Sorahan auf einer Konferenz in Dublin. Die großen Airlines müssten die Abflüge ihrer Langstrecken-Jets auf die Ankunftszeiten der Ryanair-Flieger ausrichten. Nach Aussage eines Lufthansa-Sprechers vom Donnerstag kommt der Vorschlag für die Kranich-Fluglinie nicht infrage. „Unsere Kunden erwarten auch in der Zukunft auf Zubringerflügen guten Service, Qualität und zuverlässige Verbindungen.“

Um die Idee umzusetzen, müsste auch Ryanair selbst einiges ändern. Der Billig-Primus meidet bislang nämlich die größten europäischen Flughäfen London-Heathrow, Paris-Charles de Gaulle und Frankfurt. Dort seien die Landegebühren viel zu hoch und die Bodenzeiten wegen der komplexen Infrastruktur zu lang, argumentierten die Iren stets.

Ryanair hat sich vor kurzem anspruchsvolle Ziele gesetzt und will mit neuen Strecken Air Berlin überholen und zur zweitgrößten Airline Deutschlands aufsteigen. Der Marktanteil hierzulande solle von derzeit vier Prozent in den nächsten drei bis vier Jahren auf 15 bis 20 Prozent steigen, hatte Chef O'Leary vor zwei Wochen gesagt. Kernstück der nun angekündigten Expansion ist, die großen deutschen Städte in das Streckennetz aufzunehmen. Statt wie bislang vor allem Provinz-Airports anzusteuern, kommen nun auch verstärkt große Flughäfen ins Programm. Die Verbindungen nach Köln und Berlin werden ausgebaut, und Hamburg und München sollen folgen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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