Kooperation statt Konkurrenz
Lösungen für kränkelnde Cities gesucht

Gleichförmige Einkaufsstraßen, leer stehende Ladenlokale, langsames Sterben kranker Stadtzentren - das sind Schlagworte für Probleme deutscher Innenstädte, die Vertreter von Handel und Kommunen an einen Tisch zusammenführen - auf der Suche nach gemeinsamen Lösungen.

HB DÜSSELDORF. „Ein Patentrezept gibt es nicht“, gibt Roland Schäfer, Bürgermeister der Stadt Bergkamen während der Pressekonferenz des HDE (Hauptverband des Deutschen Einzelhandels) in Düsseldorf zu. Große Städte mit hoher Attraktivität wie beispielsweise Düsseldorf oder Köln haben andere Probleme als die Kleinstadt in einer strukturschwachen Randlage. Aber es gibt auch in Problemstädten Wege, etwas für die Attraktivität zu tun.

Für Bürgermeister Schäfer ist zunächst einmal der regionale Zusammenschluss der verschiedenen Gemeinden eine wichtige Erfolgsgrundlage: „Die meisten Kommunen haben inzwischen erkannt, dass der bloße Wettbewerb mit den Nachbarn letztlich nur Verlierer hervorbringt“. Der Bürgermeister erläutert das am Beispiel „Centro Oberhausen“, das enorme Kaufkraft aus Düsseldorf und Duisburg abzieht. In 10 bis 15 Jahren sei Centro veraltet und die Nachbarstädte würden womöglich mit moderneren Einkaufszentren nachziehen. Dann bleibe Centro als großer Problemfall zurück.

Mit seiner Stadt Bergkamen hat sich Schäfer deshalb dem „Regionalen Einzelhandelskonzept Östliches Ruhrgebiet“ angeschlossen. Hier wird nach einvernehmlichen Konzepten für die gesamte Region gesucht. Die Bewährungsprobe sei zwar noch nicht bestanden, räumt Schäfer ein, doch stünden die Zeichen nicht schlecht.

Die Probleme der Kleinstädte sieht auch Lovro Mandac, Vorstandschef des Kölner Kaufhof und Vorsitzender des Ausschusses „Stadt und Handel“ in der Bundesvereinigung Deutscher Handelsverbände. „Wir suchen natürlich nach Lösungen dafür.“ Gefunden hat der Stadt-und-Handels-Ausschuss aber bereits viele generelle Ansatzpunkte, um etwas für die Erhaltung der Städte zu tun. Dabei sieht Mandac den Handel, der immerhin 56% des deutschen BIP erzielt, in einer zentralen Rolle. „Weniger, aber attraktiver Einzelhandel in der Stadtmitte muss das Leitbild sein“, listet er einen Punkt auf. Und keine Konkurrenz zur grünen Wiese. Niemand wolle, dass das riesige Möbelhaus wieder in der Innenstadt angesiedelt werde, plädiert Mandac für die Arbeitsteilung zwischen Innenstadt und Stadtrand.

Zentrale Bedeutung, da sind sich die Interessenvertreter einig, kommt bei der attraktiven Gestaltung der Innenstädte der Gastronomie zu. Weitere Punkte sind der Freizeit-, Kultur- und Unterhaltungswert der Stadt. Um über den Tourismus Kaufkraft aus dem Ausland nach Deutschland zu holen plädiert Mandac für eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, beispielsweise auch an Sonntagen.

Damit in der angespannten finanziellen Lage der Kommunen die erforderlichen Investitionen finanziert werden können, bringt die Innenstadt-Lobby das Konzept der Public Private Partnership (PPP) in die Diskussion ein. Darunter wird eine Palette von Maßnahmen wie Leasing, Investorenmodelle, Contracting, Betreibermodelle, Kooperationsmodelle oder Konzessionsmodelle verstanden. PPP-Modelle, so räumt Schäfer ein, müssten aber im Einzelfall auf ihre Wirtschaftlichkeit, Realisierbarkeit und Sinnhaftigkeit überprüft werden. Denn privatwirtschaftliche Kredite seien beispielsweise deutlich teurer als die Kreditaufnahme der Kommunen.

Doch nicht nur Stadt und Handel stehen in der Pflicht, wenn es um den Standort Innenstadt geht. „Die Verantwortung für die Standortqualität liegt vor allem auch bei der Immobilienwirtschaft“, betont Mandac. Ein erhebliches Problem sieht Joachim Erwin, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, wenn die Immobilien im Eigentum anonymer Immobilienfonds sind, die zunächst nur die kurzfristige Rendite - sprich: den Abschluss des lukrativsten Mietvertrags - im Auge hätten. Eine attraktive Einkaufsmeile lebt laut Erwin aber vom Branchenmix, von der Mischung aus verschiedenen Branchen, die nicht gleichmäßig renditestark sind und somit unterschiedlich hohe Mieten zahlen können.

Deshalb sucht Erwin in Düsseldorf den Kontakt zu den Immobilien-Fonds, um sie zu sensibilisieren für die langfristigen Ziele einer Einkaufsstraße, die keine Chance hat, wenn nur noch Geschäfte der gleichen Branche vertreten sind. Auch Niedrig-Preis-Mieter müssten unterkommen, meint Erwin, damit die Fondsgesellschaften in einigen Jahren noch lukrative Anschluss-Mietverträge abschließen könnten.

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