Korn als Trendgetränk
Das nächste große Ding nach Gin?

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Korn ist vielseitig

Zurzeit ist der Korn für die drei Quereinsteiger eher ein Hobby neben ihren Vollzeit-Jobs. Vom Gewinn bleibt bisher noch nichts hängen. „Das Geld, das wir verdienen, wird sofort wieder investiert“, sagt Dallmeyer. Zum Beispiel in einen neuen Stahltank oder einen neuen Internetauftritt.

Wenn es so weitergehe, könne sich die Schnapsidee jedoch im nächsten Jahr tatsächlich zum Geschäft entwickeln, meint Dallmeyer. Ein Korn, der sich vom Standard-Schnaps abhebt, hat der Feinbrennerei Sasse aus dem Münsterland vor vielen Jahren die Existenz gesichert. In den 80er Jahren stand der Betrieb in Schöppingen wie viele andere vor dem Aus und musste auch zeitweise schließen.

Doch dann baute Rüdiger Sasse diesen mit einer neuen Idee komplett um: „Wir müssen den Korn so gut machen wie einen richtig guten Grappa.“ Mehrere Jahre lagert der Korn bei Sasse in Fässern. Die Preise für den Lagerkorn reichen von 20 Euro pro Flasche bis zu 350 Euro für den 15 Jahre gereiften „Bordeaux-Finish“. Im Gegensatz zu anderen Spirituosen hat Korn einen entscheidenden Vorteil. „Was Korn als einziger hat, ist diese große Flexibilität“, sagt Sasse.

„Man kann ihn mild machen wie einen Wodka oder aromatisch wie einen Whisky.“ Drei Mitarbeiter hatte die Brennerei Ende der 1990er Jahre, als Sasse mit seinem Vater zusammen auf das Geschäft mit Lagerkorn umstieg. Heute sind es 33 Mitarbeiter. 100.000 Flaschen hochwertigen Korn verkauft Sasse jährlich. Zu seinen Kunden gehörten vor allem Genießer mit einer gut sortierten Spirituosen-Bar, sagt Sasse.

Und junge Menschen, die sich für natürliche, handgemachte Produkte interessierten. Auf diese zielt neuerdings auch der Getränkehersteller Berentzen, der eigenen Angaben nach Deutschlands größter Anbieter von Markenkorn ist. Am Stammsitz im emsländischen Haselünne eröffnete der Konzern gerade eine kleine Destille, in der ein Meisterdestillateur kleine Chargen eines Premium-Doppelkorns herstellen soll.

„Wir sehen den Crafted-Korn absolut als aufkeimenden Trend“, sagt Vorstand Oliver Schwegmann. „Die Menschen wollen neue Geschmackserlebnisse und sie möchten Handarbeit. „Wird also Korn nach Whisky und Gin das nächste große Ding in der Bar-Szene? Peter Pilz vom Verband Deutscher Kornbrenner ist da skeptisch. „Ein Massenmarkt ist das nicht. Ich glaube nicht, dass der Korn ein Revival erlebt.“

Die Feinbrennerei Sasse bietet regelmäßig Kurse in der Destillationskunst an. Sie heißen „Make your own gin“ und „Make your own whisky“. Einen Verweis auf Korn sucht man vergebens. „Dann würde keiner kommen“, gesteht Rüdiger Sasse. „Wir versuchen die Leute beim Gin abzuholen, und dann gehen die meist mit mehreren Flaschen Lagerkorn heim.“

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung trinken die Deutschen durchschnittlich 5,5 Liter Spirituosen pro Jahr. Die Experten warnen vor zu einem großen Alkohol-Konsum. Besonders Jugendliche seien gefährdet, da ihr Gehirn noch heranreife.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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