Korruptionsaffäre
Die Fifa-Sponsoren werden nervös

Für viele Konzerne ist der Weltfußballverband Fifa die ideale Werbebühne. Doch der Korruptionsskandal macht die Sponsoren nervös. Marketing-Experten raten den Partnerunternehmen der Fifa nun zu klaren Schritten.
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New York/Berlin/MünchenDie Fifa muss angesichts ihrer Korruptionsaffäre um millionenschwere Zahlungen der Sponsoren fürchten. Als erster großer Geldgeber nach der Festnahme mehrerer Spitzenfunktionäre wegen Schmiergeldverdachts droht der Finanzdienstleister Visa dem Weltfußballverband mit einem Rückzug. „Als Sponsor erwarten wir, dass die Fifa diese Angelegenheiten innerhalb des Verbands schnell und unverzüglich angeht“, erklärte der weltgrößte Kreditkartenanbieter.

Der Verband müsse eine Kultur der Ethik umsetzen. „Falls die Fifa damit scheitert, werden wir unser Sponsoring überdenken. Darüber haben wir die Fifa informiert.“ Besorgnis äußerten auch andere große Sponsoren wie Adidas, Coca-Cola und Hyundai.

Zwar bietet die Fifa mit den Fußball-Weltmeisterschaften vielen Unternehmen eine ideale Bühne für Werbung und Marketing. Doch dass eine Partnerschaft für manche Sponsoren nicht unverzichtbar ist, zeigten der japanische Elektronikkonzern Sony und die Fluggesellschaft Emirates: Sie kündigten bereits im November an, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Verband nicht zu verlängern.

Die beiden Konzerne zählten zu den sechs Hauptpartnern der Fifa, die dem Verband im vergangenen Jahr insgesamt 177 Millionen Dollar für Werberechte zahlten. Zuvor waren Korruptionsvorwürfe gegen die Fifa im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland 2018 und Katar 2022 laut geworden. Dies spielte für Sonys Entscheidung nach Angaben eines Insiders neben den Kosten auch eine Rolle.

Fifa-Sponsoren, deren Image weitaus stärker auf Sport und Jugendlichkeit ausgerichtet ist, geraten allerdings in eine Zwickmühle. „Adidas könnte sich einen Boykott der Fifa gar nicht leisten“, sagt ein Brancheninsider. Der deutsche Sportausrüster, der der Fifa seit Jahrzehnten als zahlungskräftiger Sponsor verbunden ist, hat auf wichtigen Märkten gegenüber seinem größeren Erzrivalen Nike an Terrain verloren und ist lediglich im Fußballgeschäft mit Trikots, Schuhen und Bällen noch weltweit die Nummer eins. Im vergangenen Jahr war die Fußball-WM in Brasilien für Adidas der einzige große Lichtblick inmitten mehrerer Krisenherde im Konzern.

Bisher hätten Werbungtreibende mehrheitlich vor den organisatorischen Defiziten die Augen verschlossen, sagte auch Frank-Peter Lortz, Chairman der Mediaagentur ZenithOptimedia, dem Handelsblatt. „Man hat es sich mit dem Argument schöngeredet, das es ja schließlich um die Zuschauer und den Sport selber geht“, so Lortz. Nicht nur die Werbungtreibenden hätten dies getan, das gälte unter anderem auch für die Medienlandschaft.

Schönrederei sei nun nicht mehr möglich. „Die US-Justiz hat die Fifa in die Nähe von kriminellen Organisationen gerückt und damit auf die Agenda gebracht“, so Lortz. Die Aussage dahinter müsse als ganz klares Signal an die Werbungtreibenden verstanden werden. In Zeiten von globalen Richtlinien könne man solche Zustände nicht tolerieren. Lortz erwartet, dass sich die globalen Werbungtreibenden und Sponsoren nun sehr schnell organisieren und den Druck auf die Fifa erhöhen. „Wenn dies alle tun, wird das System Fifa sicher nicht mehr lange in der jetzigen Form existieren“, erklärt er. Das wiederum sei gut für den Sport, die Fans und auch fürs Geschäft.

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