Kosmetikkonzern
L'Oréal überschminkt Kartellstreit

Kein Wort sagt der Kosmetikkonzern zur jüngsten Kartellstrafe: Stattdessen jubelt L'Oréals Deutschland-Chef Bruhat, dass die Deutschen immer älter werden. Und setzt das Unternehmen zusätzlichem Druck aus.
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DüsseldorfDie Journalisten hatten kaum Platz genommen, da duckte sich Jérôme Bruhat weg. „Wir äußern uns nicht zu den aktuellen Entwicklungen“, ließ der L’Oréal Deutschland-Chef seine Sprecherin am Dienstag in Düsseldorf sagen. Kein Wort zum Bußgeldbescheid des Bundeskartellamts wegen angeblicher Preisabsprachen mit Wettbewerbern.

Bruhat verwies lediglich auf die schriftliche Erklärung vom Vorabend, in der sein Unternehmen den Vorwurf zurückgewiesen und Einspruch ankündigt hat. Sechs Unternehmen der Branche waren am Montag zu einem Bußgeld in Höhe von 39 Millionen Euro verdonnert worden.

Viel lieber als über angebliche Mauscheleien mit Procter & Gamble, Beiersdorf und anderen sprach der Franzose über den demografischen Wandel. L‘Oréal lebt davon, dass Frauen und Männer auch im Alter noch hübsch aussehen wollen. Und mehr dafür hinblättern, dass ihnen der Lack nicht abblättert. „Frauen über 50 geben doppelt so viel für Gesichtspflege aus wie die 18- bis 49-Jährigen“, sagte Bruhat. Auch fülliges Haar ohne Grau sei ihnen wichtig.

Bis 2020 wird die Zahl der über 60-Jährigen in der Bundesrepublik von derzeit rund 22 auf 25 Millionen steigen, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Der Zuwachs an konsumfreudigen Alten bringt L’Oréal zusätzliches Potenzial. Er steigert aber auch den Druck auf den Deutschland-Chef. Denn hierzulande wuchs der Kosmetikkonzern zuletzt deutlich schwächer als im Rest der Welt. Und das, obwohl der Altersdurchschnitt der Menschen in der Bundesrepublik nicht erst seit gestern steigt.

Um 2,3 Prozent steigerte L’Oréal Deutschland seine Erlöse im vergangenen Jahr. Der Umsatz kletterte auf rund eine Milliarde Euro. Damit will die Düsseldorfer L’Oréal-Gesellschaft zwar stärker als der Markt gewachsen sein. Weltweit war das Umsatzplus des Konzerns aber mehr als vier Mal so hoch. 22,46 Milliarden Euro setzte der Marktführer für Kosmetikprodukte rund um den Globus um – und erzielte dabei eine operative Gewinnmarge von 16,5 Prozent.

Bei der Profitabilität liegt L’Oréal Deutschland laut Jérôme Bruhat auf Linie mit dem Konzern, beim Wachstum aber nicht. Nun sollen die Alten dafür sorgen, dass sich das ändert. 2012 gaben die Deutschen bereits fast jeden fünften Euro ihres durchschnittlichen Körperpflege-Budgets von 112,40 Euro für Haarfärbemittel aus, wie die Gesellschaft für Konsumforschung herausgefunden hat.

L’Oréal-Manager Bruhat hofft, dass sein Unternehmen den Umsatz mit Haarfärbemitteln, Anti-Aging-Make-Up und Antifaltencremes in den kommenden zehn Jahren um 30 Prozent steigern kann.

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