Kostennachteile im Kampf gegen Billigflieger
Ferienflieger auf dem Billig-Trip

Die Krise in der Reisebranche zwingt deutsche Ferienfluggesellschaften zu weiteren harten Einschnitten. Nach der Ankündigung von Tui-Chef Michael Frenzel, die konzerneigene Charter-Airline Hapag Lloyd auf das Kostenniveau eines Billigfliegers bringen zu wollen, reagiert auch der Tui-Rivale Thomas Cook (Neckermann, Thomas Cook, Aldiana etc.) mit weiteren Sparappellen: "Unsere Fluggesellschaft muss sich an den Kosten von Air Berlin messen lassen", sagte Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler vor Journalisten in Frankfurt.

HB FRANKFURT. Dabei könnten die Voraussetzungen, unter denen Air Berlin und die Cook-Airline Condor derzeit operieren, unterschiedlicher kaum sein: Vor allem wegen der Anbindung an den Lufthansa-Konzern, der 50 % der Thomas-Cook-Anteile hält, gilt die traditionsreiche Condor zurzeit als Ferienflieger mit den höchsten Kosten in Deutschland. Während die Pilotenvereinigung Cockpit vehement gegen die drohende Abkopplung der Condor-Belegschaft vom Lufthansa-Konzerntarif protestiert, arbeitet die seit Jahren expandierende Air Berlin mangels Betriebsräten im gewerkschaftsfreien Raum. Die Folge: Air Berlin operiert zu weitaus niedrigeren Kosten und übt - etwa mit dem Mallorca-Shuttle aus zwölf deutschen Städten - mit günstigen Flugpreisen immer stärkeren Druck auf die Konzern-Carrier aus. Die Fluglinie, die mit Ticketpreisen ab 29 Euro pro Einzelstrecke wirbt und in diesem Jahr 4,3 Mill. Passagiere befördern will, sieht sich inzwischen als größter Low-Cost- Carrier Deutschlands.

Um gegen derlei hartnäckige Wettbewerber bestehen zu können, fährt Thomas Cook die Kosten weiter zurück. Angesichts der enormen Überkapazitäten in der Luftfahrt müsse die Thomas-Cook-Airline ihre Hausaufgaben machen und die Flotte reduzieren, sagte Pichler. Dabei gebe es "keine Tabus", betonte der Vorstandschef und verwies auf den anstehenden Verkauf von 13 Großraum-Flugzeugen des Typs Boeing 757-200. Damit räumt Thomas Cook für die nächste Sommersaison 30 % seiner deutschen Flugkapazitäten vom Markt. Auch das aktuelle Hotel-Portfolio des europaweit aufgestellten Reise-Riesen soll um 15 % gestrafft werden.

Auslöser der harten Sparmaßnahmen sind tiefrote Zahlen bei Thomas Cook: Die Reisetochter von Lufthansa und Karstadt Quelle hat die ersten neun Monate ihres Geschäftsjahrs 2002/2003 mit einem operativen Verlust von 231 Mill. Euro vor Zinsen, Steuern und Firmenwert-Abschreibungen (Ebita) abgeschlossen. Laufende Tarifverhandlungen mit dem Personal sollen bis Jahresende abgeschlossen sein und ab 2004 Entlastungseffekte bringen. In einigen Bereichen gebe es aber schon jetzt "erhebliche Abkopplungen" vom Konzerntarifvertrag der Lufthansa, etwa bei niedrigeren Einstiegsgehältern, betonte Pichler.

Wie die gesamte Branche darf auch Thomas Cook auf ein Ende der Krise im kommenden Jahr hoffen. Während Europas Marktführer Tui 2004 rund 5 % Umsatzzuwachs erwartet, bleibt Pichler mit einer Prognose zwischen 3 % und 4 % moderater. "Die Trendwende ist aber spürbar. Das Urlaubsgeschäft kommt wieder in Schwung", sagte Pichler. Tui teilte gestern mit, das Umsatzminus in der Reisesparte habe sich nach zwischenzeitlich 15 % inzwischen auf weniger als 6 % verringert. Thomas Cook gab bekannt, der Konzernumsatz liege derzeit noch 7 % unter dem des Vorjahres. Das veränderte Angebot mit mehr Fernreisen und individuell wählbaren Reisebausteinen werde sich auszahlen, so Pichler.

Konkurrent Tui hat gestern eine Wandelanleihe mit einem Volumen von 385 Mill. Euro platziert. Mit der Anleihe, die nur institutionellen Investoren zugänglich ist, will Tui einen Teil seines Schuldenbergs von aktuell rund 3,6 Mrd. Euro abtragen. Die Hauptversammlung hatte im Juni Wandelanleihen von bis zu einer Milliarde Euro gebilligt.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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