Kostensenkungsprogramm
Bertelsmann Clubs sollen 2006 wieder profitabel sein

Die deutschen Bertelsmann-Clubs haben mit dem Abbau von 70 Stellen und Verlagerung des Firmensitzes nach Berlin die Kosten gesenkt. Nun kommt das Geschäft auch langsam wieder in Fahrt.

HB BERLIN. Das jahrelang defizitäre deutsche Clubgeschäft werde im kommenden Jahr wieder profitabel sein, sagte der Vorstandsvorsitzende der Direct Group Bertelsmann, Ewald Walgenbach, am Donnerstagabend in Berlin. „Da bin ich sehr, sehr sicher“, sagte Walgenbach.

Die Clubs mit bundesweit 3,6 Mill. Mitgliedern und 300 Filialen sollen sich künftig wieder stärker auf den Verkauf von Büchern statt auf Musik und Filme konzentrieren. Für das laufende Jahr sagte Walgenbach noch einen Verlust im einstelligen Millionenbereich voraus. Mit dem Umzug der Firmenzentrale wurden 80 Stellen von Ostwestfalen nach Berlin verlagert.

Für die Direct Group, in der die nationalen und internationalen Clubgeschäfte gebündelt sind, prognostizierte Walgenbach für dieses Jahr ein Wachstum von zehn bis 15 % sowie ein deutlich besseres operatives Ergebnis als die 32 Mill. € des vergangenen Jahres. Vor allem die neu geordneten Clubgeschäfte in Frankreich und in Osteuropa, aber auch die Zukäufe der französischen Buchhandelskette Privat und des amerikanischen DVD-Versenders Columbia House mit acht Mill. Mitgliedern trügen dazu bei. „Wir sind seit langer Zeit nicht nur profitabel, sondern wir wachsen auch wieder“, sagte Walgenbach. Neben dem deutschen werde auch das britische Clubgeschäft vorübergehend noch rote Zahlen schreiben.

Mit dem Umbau der deutschen Clubs, der einst von Firmenpatriarch Reinhard Mohn gegründeten Keimzelle des heutigen Weltkonzerns Bertelsmann, verbinde das Unternehmen auch eine Qualitätsoffensive, hieß es. Der Anteil exklusiver Buchausgaben soll von derzeit zehn auf 25 % - wie bereits jetzt in Spanien oder Frankreich - steigen, kündigte Club-Geschäftsführer Marc Oliver Sommer an. Club- Mitglieder haben künftig ferner die Gelegenheit, Bücher bei Nichtgefallen - unabhängig vom Kaufdatum und vom Zustand des Buches - zurückzugeben. Wer denselben Buchtitel in einem anderen Geschäft billiger findet, werde mit einem „Finderlohn“ in Höhe von 100 € belohnt. „Damit haben wir die beste Marktbeobachtung in der ganzen Bundesrepublik“, sagte Sommer.

Den Umzug der Firmenzentrale von Rheda-Wiedenbrück nahe des Bertelsmann-Stammsitzes Gütersloh nach Berlin will Sommer vor allem dazu nutzen, enger mit Autoren und Verlegern in Kontakt zu treten. So soll das von den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig bekannte „Blaue Sofa“ nun häufiger auch in Berlin stattfinden. Außerdem werde ein Expertenbeirat mit den Literaturkennern Hellmuth Karasek, Amelie Fried, Thea Dorn, Wladimir Kaminer und Wolfgang Herles die Qualität des Clubprogramms überwachen. Ein Verleger-Board mit Ulrich Genzler (Random House), Wolfgang Hölker (Coppenrath) und Georg Kessler (Gräfe und Unzer) soll beratend tätig werden.

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