Krankenhauskette
Rhön-Klinikum senkt Jahresprognose

Für das laufende Jahr müssen die Franken mit einem fast 30 Millionen Euro schmaleren Gewinn rechnen. Das liegt nicht zuletzt an der im Juni gescheiterten Übernahme durch Gesundheitskonzern Fresenius.
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FrankfurtDie geplatzte Übernahme durch Fresenius und Verzögerungen beim Umbau der Uniklinik Gießen und Marburg machen Rhön-Klinikum zu schaffen. Nach einem kräftigen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr senkte der Krankenhausbetreiber am Freitag seine Jahresprognose. Die Zahlen zeigen, wie stark Rhön-Klinikum unter dem andauernden Poker um einen möglichen Verkauf der fränkischen Klinikkette leidet. Mitarbeiter sind verunsichert, Projekte stocken und die Aktie ist auf Talfahrt: Zum Wochenausgang verloren Rhön-Papiere bis zu knapp drei Prozent auf 17,35 Euro und gehörten damit zu den größten Verlierern im Nebenwerteindex MDAX.

Das Übernahmeangebot von Fresenius im Frühjahr und die seitdem eingetretenen Veränderungen im Aktionärskreis hätten für Verunsicherung innerhalb des Konzerns geführt, klagte Rhön-Klinikum. Vor allem angelsächsische Hedgefonds haben sich bei Rhön-Klinikum eingekauft. "Managementkapazitäten wurden in erheblichem Umfang gebunden, operative Weichenstellungen verzögert. Dies wirkte sich negativ auf die operative Geschäftsentwicklung des gesamten Konzerns aus."

Für Investment-Banken, Rechtsanwälte und andere Berater gab das Unternehmen während des Übernahmeprozesses im ersten Halbjahr einen einstelligen Millionen-Betrag aus. Die Firma warnte zudem, dass das Ende der Fahnenstange möglicherweise noch nicht erreicht sei, da bisher kein Ende des Übernahmepokers in Sicht sei. Zudem lassen sich Verluste durch die Verunsicherung von Mitarbeitern schlecht beziffern. "Alle finanziellen Folgen des Übernahmeangebots von Fresenius" seien derzeit noch nicht absehbar, erklärte das Unternehmen.

Fresenius war Ende Juni mit dem Versuch gescheitert, Rhön-Klinikum zu schlucken, weil der Konkurrent Asklepios bei der fränkischen Klinikkette einstieg und die 3,1 Milliarden Euro Übernahme damit torpedierte. Fresenius-Chef Ulf Schneider lotet Kreisen zufolge derzeit in Gesprächen mit den Beteiligten aus, ob er einen zweiten Anlauf bei Rhön unternehmen will. Eine schnelle Lösung ist jedoch nicht in Sicht.

Im ersten Halbjahr hat Rhön-Klinikum vermutlich nur einen Gewinn von rund 50 Millionen Euro erzielt - das sind 40 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Alleine die verzögerte Restrukturierung des Universitätsklinikums in Gießen und Marburg, das Rhön-Klinikum gehört, wird das operative Ergebnis des Krankenhausees mit rund 20 Millionen Euro belasten. Zudem drückten die höheren Tarifabschlüsse in der Gesundheitsbranche auf das Ergebnis.

Im Gesamtjahr rechnet Rhön-Klinikum nun nur noch mit einem Betriebsgewinn (Ebitda) von 315 Millionen Euro statt wie bisher mit 350 Millionen Euro. Der Konzerngewinn werde vermutlich 117 statt 145 Millionen Euro betragen. An der Umsatzprognose von 2,85 Milliarden Euro hielt das Unternehmen fest. Von den genannten Zielen könne der Umsatz um 2,5 Prozent und die Gewinnkennzahlen um fünf Prozent nach oben oder unten abweichen.

Die Belastungen durch die Fresenius-Offerte und die Restrukturierung in Gießen und Marburg sind nach Ansicht der Equinet-Analysten höher als erwartet. Sie halten jedoch trotzdem an ihrer Kaufempfehlung für die Rhön-Aktie fest. "Rhön-Klinikum ist weiter ein unterbewertetes Unternehmen und es besteht die Möglichkeit, dass die Aktie in naher Zukunft von einem Übernahmeangebot oder einer Fusion profitiert."

Auch im regulatorischen Umfeld ist für Rhön-Klinikum im zweiten Halbjahr Besserung in Sicht. Der Bundestag hat im Juni ein Gesetz verabschiedet, das die durch die Tariferhöhung unter Druck geratenen Krankenhäusern entlastet. In der Folge erhalten Krankenhäuser in Deutschland laut Gesundheitsministerium pro Jahr dauerhaft 280 Millionen Euro mehr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "In der Folge erhalten Krankenhäuser in Deutschland laut Gesundheitsministerium pro Jahr dauerhaft 280 Millionen Euro mehr."

    So ganz stimmt der letzte Satz nicht. Die 280 Millionen sind erstmal nur für 2012 gedacht, um die Tarifsteigerungen zu 50% auszugleichen. Was 2013 ist oder sein wird, ist noch relativ offen. Jedenfalls sollen die Vergütungen der Krankenhäuser sich nicht mehr an der Veränderung der Löhne orientieren, sondern es soll einen sog. Orientierungswert geben, der auch andere Aspekte berücksichtigt. Ob die Krankenhäuser dadurch dauerhaft mehr Geld bekommen, muss man dann abwarten.

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