Krankenkassen
Schulterschluss für die gute Gesundheit

Die Healthcare-Industrie ist in Deutschland äußerst innovativ - doch viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre neuen Produkte in der Flächenversorgung zu etablieren. Darum setzt die Gesundheitsindustrie bei Innovationen verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Krankenkassen und Behörden.

BERLIN. Wasser in der Lunge ist oft das erste alarmierende Zeichen: Das Herz pumpt nicht mehr richtig, der Patient steht kurz vor dem Kollaps des Herz-Kreislaufsystems. Die Medizintechnik-Firma Medtronic hat für Träger eines Herzschrittmachers deshalb ein telemedizinisches Frühwarnsystem entwickelt: Ein Sensor im Schrittmacher sendet eine Warnung an den betreuenden Kardiologen, wenn Flüssigkeit in die Lunge gelangt ist. Der Arzt kann frühzeitig eingreifen - und so möglicherweise einen langen Krankenhausaufenthalt verhindern.

Obwohl der neue Schrittmacher neben einer besseren Therapie auch Kostenersparnis verspricht, lässt der Absatz zu wünschen übrig. "Die Technologie kommt bislang noch nicht großflächig zum Einsatz", sagt Wolfgang Frisch, Experte für Kostenerstattung bei Medtronic. Das Problem: Den höheren Preis für das Gerät zahlen die Kliniken - die Einsparungen dank besserer Nachbetreuung kommen aber der Krankenkasse zugute. Den Kliniken fehlt somit der Anreiz, die innovative Technik anzuwenden.

Um das Einsparpotenzial der Technik zu beweisen, legte Medtronic vor drei Jahren mit der Gmünder Ersatzkasse (GEK) eine Studie auf, in der die Versorgungskosten bei Schrittmacher-Patienten mit und ohne Frühwarnsystem verglichen wurden. Das Ergebnis war eindeutig: Die neue Technik hat die Zahl der Krankenhauseinweisungen halbiert. Kostenersparnis: mehrere Tausend Euro. "Nach einem Jahr haben sich die höheren Anfangskosten für die neue Technik schon fast rentiert", sagt Frisch. Nun verhandelt die Firma mit der GEK über einen Versorgungsvertrag.

Der Schulterschluss mit den Krankenkassen, wie ihn das Unternehmen Medtronic sucht, liegt im Trend: "In Zukunft werden immer mehr Unternehmen den engen Dialog mit den Entscheidungsträgern der Gesundheitswirtschaft suchen", sagt Joachim Schmitt, Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). Der Grund: Die Innovationskraft im Healthcare-Bereich ist hoch - doch viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre neuen Produkte in der Flächenversorgung zu etablieren. "Die Erstattungsfähigkeit der Innovationen ist das Hauptproblem der Firmen", sagt Schmitt.

Unternehmen im Bereich innovativer Biotech-Therapien haben ähnliche Probleme wie die Medizintechnik-Anbieter: Neuartige Methoden wie Zelltherapie, Gewebetransplantation oder der medizinische Einsatz von Gentechnik kommen bislang nur in der Nische akademischer Forschung zur Anwendung - in kleinen Studien, häufig aus öffentlichen Forschungsmitteln finanziert. Das wollen die Anbieter ändern. "Unser Ziel ist, dass die Stammzelltherapie nach einem Herzinfarkt zu einer normalen Kassenleistung wird", sagt Gustav Steinhoff, Leiter des Referenz- und Translationszentrums für kardiale Stammzelltherapie (RTC) in Rostock. Gemeinsam mit dem Biotech-Unternehmen Miltenyi Biotec und weiteren Industriepartnern starten die Forscher vom RTC noch dieses Jahr eine klinische Zulassungsstudie, die in der Pharmaindustrie schon seit langem Standard ist.

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