Kreditkrise
Bye-bye, Auto-Leasing

Immer mehr Autobauer wie GM, Ford und Chrysler ziehen sich schrittweise aus dem Geschäft mit dem Auto-Leasing zurück, weil das bisher erfolgreiche Finanzierungsmodell vom Goldesel zum Verlustbringer wird. Warum sich das Leasing in der US-Krise nicht mehr rechnet.

NEW YORK/FRANKFURT. Die US-Konsumenten streiken, Banken verschärfen ihre Kreditkonditionen, die Gebrauchtwagenpreise fallen ins Bodenlose: Für die finanziell schwer angeschlagenen US-Autokonzerne braut sich ein bedrohlicher Sturm zusammen, der ein bisher sehr erfolgreiches Finanzierungsmodell, das Auto-Leasing, über den Haufen wirft. Nach dem kompletten Ausstieg von Chrysler aus dieser Sparte fahren auch die Rivalen General Motors (GM) und Ford ihre Leasinggeschäfte deutlich zurück. Autohändlern zufolge dürfte das den aktuellen Absatzeinbruch der amerikanischen Hersteller noch verschärfen, zumal auch Großbanken wie JP Morgan Chase und Wells Fargo beim Auto-Leasing auf die Bremse treten.

Nach Angaben des Branchendienstes Automotive Lease Guide haben GM, Ford und Chrysler zuletzt rund 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verleast – eine Zahl, die etwa der Hälfte des deutschen Automarktes entspricht. Insbesondere schwere Gelände- und Lastwagen sowie Autos der Luxusklasse, die im Falle einer Barzahlung 40 000 Dollar und mehr kosten, wurden häufig auf diesem Weg abgesetzt.

Inzwischen habe Ford seinen Händlern faktisch den Ausstieg aus dem Leasing größerer Autos angekündigt, berichtet das „Wall Street Journal“. Der zweitgrößte US-Autokonzern hat zwischen April und Juni 8,7 Mrd. Dollar Verlust gemacht und dabei allein 2,1 Mrd. Dollar auf unprofitable Leasing-Geschäfte abgeschrieben. Der wankende Marktführer GM und sein ebenfalls in Schieflage geratener Finanz-Ableger GMAC, den der Konzern gemeinsam mit dem Finanzinvestor Cerberus betreibt, legen heute ihre Quartalszahlen vor. Experten erwarten weitere Milliardenverluste, auch mit Blick auf die wachsenden Probleme beim Leasing. In Kanada hat GMAC Auto-Leasinggeschäfte bereits gestoppt. Die Firma hielt Ende März 33 Mrd. Dollar an Leasing-Assets in ihren Büchern.

Die Probleme bei der Autofinanzierung weisen deutliche Parallelen zur Immobilienkrise in den USA auf. Die Restwerte von Gebrauchtwagen fallen 2008 vor allem für schwer verkäufliche Geländewagen und Pick-up-Laster noch steiler als die Hauspreise.

Nach einem dreijährigen Leasingvertrag haben Spritschlucker wie der bullige Ford Expedition oder der GMC Yukon schon fast 70 Prozent ihres Listenpreises eingebüßt. Das wirft die Preiskalkulationen der Leasinggeber über den Haufen, weil die Konzerne das Risiko der Restwerte tragen. Der Kunde zahlt während der Vertragslaufzeit nur eine monatliche, im Vorfeld festgelegte Nutzungsgebühr für das Auto.

Die Premiumhersteller aus Deutschland bekommen den Preisrutsch ebenfalls zu spüren, wenn auch in abgeschwächtem Maße. So hatte BMW bereits im April seine Rückstellungen für Kreditausfälle mit Verweis auf das schwierige Leasing-Geschäft in den USA deutlich um 236 Mill. Euro erhöht und eine weitere Aufstockung der Risikovorsorge nicht ausgeschlossen. Ein BMW-Sprecher wollte sich mit Verweis auf die anstehende Vorlage der Quartalszahlen nicht äußern.

Daimler zeigt sich bisher gelassen. Solange der Markt so bleibe wie heute, gebe es für den Konzern keinen Anlass für weitere Maßnahmen, sagte Finanzchef Bodo Uebber in der Vorwoche. Während sich die Finanzierungen im LKW-Sektor in den USA leicht verschlechtert hätten, sei das Pkw-Geschäft etwas besser gelaufen.

Der Branchentrend zeigt indes klar nach unten: Selbst der im US-Geschäft wegen seiner Kleinwagen-Strategie weiter erfolgreiche japanische Autobauer Honda hat kürzlich angekündigt, dass das Leasing-Geschäft den operativen Gewinn 2008 belasten werde.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%