Krefelder Unternehmen erteilt im Internet Auskünfte über Zahlungsverhalten von Privatpersonen
Auskunftei schreckt Datenschützer auf

In Nordrhein-Westfalen könnte sich ein Datenschutzskandal anbahnen. Die Landesdatenschutzbeauftragte im Innenministerium von NRW, Bettina Sokol, ermittelt gegen die in Krefeld ansässige DWA - Deutsche Wirtschaftsauskunft GmbH wegen des Verstoßes gegen einschlägige Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG).

DÜSSELDORF. Den Grund liefert ein Internet-Service, den das Unternehmen seit Anfang des Jahres anbietet. Dort können sich Privatpersonen über das Zahlungsverhalten und die finanziellen Verhältnisse anderer ohne deren Einwilligung erkundigen. Die DWA ist eine Tochtergesellschaft des Inkassounternehmens Zyklop, das in Kooperation mit Bürgel sowie Dun & Bradstreet die notwendigen Informationen liefert. „Wir verfolgen die Sache und werden untersuchen, unter welchen Voraussetzungen die Auskünfte erteilt werden“, sagte Behördensprecherin Bettina Gayk dem Handelsblatt. Fachleute, wie Datenschutzexperten der TH Darmstadt, bezweifeln allerdings, dass die Datenschützer erfolgreich sein werden. Zu unklar sei die Rechtsprechung, was die Erhebung und Weitergabe von Daten betrifft.

Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ bedienen sich Firmen seit Jahrzehnten der Dienste so genannter Wirtschaftsauskunfteien. Zu den bekanntesten gehören Creditreform, Neuss, Schimmelpfeng oder Bürgel (Frankfurt) sowie die in Wiesbaden ansässige Schufa, die den deutschen Markt für Wirtschaftsauskünfte dominieren. Bislang war es allerdings für Privatleute nur in Einzelfällen und mit Genehmigung des Betroffenen möglich, sich über die Bonität eines anderen zu erkundigen. Zudem ist in der Regel bei den Auskunfteien eine Mitgliedschaft mit Beiträgen ab 250 Euro Pflicht. Und zusätzlich zum Mitgliedsbeitrag verlangen die Auskunfteien für ihre Dienstleistungen deftige Einzelhonorare. So betragen die Gebühren für eine Privatauskunft bis zu 33 Euro, umfassende Firmenauskünfte kosten rund 70 Euro. Handwerksbetriebe oder Freiberufler winken da meist mit dem Hinweis „zu teuer“ ab.

Das soll sich ändern, jedenfalls wenn es nach den Vorstellungen von DWA-Geschäftsführerin Kitty Ostgathe geht. Das Unternehmen bietet Auskünfte zum Discountpreis an. Bereits für 13,50 Euro darf man Privatpersonen auf gespeicherte Negativmerkmale überprüfen. Man wolle Kleinunternehmen und Privatleuten Schutz bieten vor klammen Mietern „oder Handwerkern, denen plötzlich die Luft ausgeht“, sagte die DWA- Chefin dem Handelsblatt.

Allerdings stellen sich die Krefelder mit ihrem Internetservice auch in den Dienst derjenigen, die immer schon einmal wissen wollten, wie es um die Zahlungsmoral des Nachbarn steht. Denn das ist jetzt relativ leicht: Via Internet und Passwort gelangt man in das jeweilige Archiv. Wer wissen will, ob jemand in „ordentlichen finanziellen Verhältnissen“ lebt bzw. pünktlich und zuverlässig zahlt, wird mit einer so genannten Kurzauskunft bedient.

Eine Vollauskunft betrifft in der Regel gewerbliche Betriebe und gestattet den Einblick in Einzeldaten, wie Beteiligungsverhältnisse, Bilanzen oder das wirtschaftliche Umfeld. Bei Privatpersonen werden in der Regel Fragen gestellt, wie: Liegt ein Inkassoverfahren vor ? Gibt es gar gar eine Haftanordnung ? – und das alles zum Billigtarif.

Gegen niedrigere Preise haben auch die Datenschützer nichts einzuwenden. Für sie wird es bedenklich, wenn ein Privatmann den anderen quasi „ausspionieren“ kann. Die DWA zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt. Den Nachforschungen der Datenschutzbeauftragten sehe man gelassen entgegen, erklärte das Unternehmen auf Anfrage. Das kann es auch, meinen Experten, denn die derzeitigen Bestimmungen seien „Gummiparagrafen“. Zwar müsse der Kunde sein „berechtigtes Interesse“ auch „glaubhaft darlegen“ (§ 29 Abs. 2 Nr. 1a BDSG). In der Praxis dürfte dies jedoch keine Hürde sein, denn ein Vorwand finde sich immer.

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