Kreuzfahrt
Traumschiff-Reederei stoppt Flusskreuzfahrten

Das ZDF-Traumschiff machte sie berühmt: Jetzt stellt die Reederei Deilmann ihre Flusskreuzfahrten ein. Zuletzt kamen einfach nicht genug Passagiere - vor allem die Kundschaft aus den USA blieb weg. Die bekannte "MS Deutschland" fährt aber weiter. Über die Hintergründe einer Luxus-Pleite.

DÜSSELDORF. Die Kreuzfahrt-Reederei Peter Deilmann schickt ihre neun Flusskreuzfahrt-Schiffe in die Insolvenz. Das Flaggschiff des Unternehmens in Neustadt/Holstein, das Hochseeschiff "MS Deutschland" - bekannt geworden durch die "Traumschiff"-Serie des ZDF -, soll weiterfahren. Geplant sei, auch die Flussschiffe bis zum Ende der Saison 2009 ohne Einschränkungen fahrplanmäßig einzusetzen, teilte das Unternehmen mit.

Bei den Flusskreuzfahrten habe die im Luxus-Segment angesiedelte Reederei einen massiven Umsatzrückgang nicht kompensieren können, erklärten die Geschäftsführerinnen Gisa und Hedda Deilmann. Insbesondere das Ausbleiben von Passagieren aus den USA und Großbritannien sowie die sich zum Euro verschlechternden Wechselkurse hätten zu Umsatzeinbrüchen von mehr als der Hälfte geführt, erklärten die Schwestern. Sie hatten das Unternehmen von ihrem 2003 verstorbenen Vater Peter übernommen. Nach Firmenangaben machte Deilmann mit 1 000 Mitarbeitern zuletzt 100 Mio. Euro Umsatz.

Die Insolvenz betrifft sieben sogenannte "Besitzgesellschaften" für die neun Schiffe. Gesellschafter sind jeweils die Deilmann-Schwestern. Darlehen seien kurzfristig fällig gestellt worden, Anträge der Reederei auf Liquiditätshilfen seien von den Banken und der Politik negativ beschieden worden. Die Reederei selbst sei nicht berührt. Als Hochseereiseveranstalter werde sie weiterhin die MS Deutschland betreiben, deren Besitzgesellschaft auch nicht insolvent sei.

In der Touristikbranche hat der Schritt der Deilmann-Schwestern keine Überraschung ausgelöst. Die neun Flusskreuzfahrer im obersten Preissegment mit Tagespreisen zwischen 350 und 400 Euro seien zu klein gewesen, um flexibel auf die wegbrechende Auslandsnachfrage zu reagieren, sagte ein Wettbewerber. Und möglicherweise hätten die beiden Schwestern bei den Banken nicht den Rückhalt gehabt, den ihr Vater, der Firmengründer, dort hatte.

Johannes Zurnieden, Chef des Bonner Kreuzfahrt-Reiseveranstalters Phoenix Reisen, sagte dem Handelsblatt, er rechne mit weiteren Zusammenbrüchen in dem Markt. "Es gibt Wettbewerber, die offensichtlich zu Preisen verkaufen, die unter dem Einkauf liegen." Seine Schiffe seien gut ausgelastet, einziges Problem sei derzeit, dass das Donau-Hochwasser die Fahrpläne durcheinander bringe.

Auch Guido Laukamp, Marketing-Chef der weltweit operierenden Viking Flusskreuzfahrten, sieht sein Unternehmen gut im Rennen. Viking setzt auf Flussrevieren wie dem Rhein unterschiedliche Schiffe für die Kundschaft aus Europa und aus den USA ein. Die Buchungen aus Amerika lägen derzeit über dem Vorjahr - dank eines intensiven Direktmarketings. Mit entsprechenden Angeboten finde man da immer noch ausreichend zahlungskräftige Kundschaft.

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