Kreuzfahrtschiffe Viel Rauch fürs Vergnügen

Kreuzfahrtschiffe bleiben ein Hauptfeind der Umweltschützer. Doch eigentlich zielen Organisationen wie der Naturschutzbund NABU auf einen Gegner, der viel schwerer zu stellen ist: die Containerschifffahrt.
2 Kommentare

Urlaub auf dem „Öko-Dampfer“ – das ist das weltweit sauberste Kreuzfahrtschiff

Urlaub auf dem „Öko-Dampfer“ – das ist das weltweit sauberste Kreuzfahrtschiff

HamburgDie Leuchtstoffröhren sind wieder angeschraubt: Seit einigen Tagen leuchtet der Hamburger Hafen nachts in kühlem Blau. Die Lichtkunst verweist auf ein riesiges Werbespektakel der Kreuzfahrt-Branche: Zu den „Cruise Days“ am Wochenende soll eine halbe Million Menschen die Riesenschiffe bestaunen, die seit einigen Jahren Hamburg regelmäßig anfahren.

Genauso regelmäßig werden die Schiffe zum Ziel der Angriffe des Naturschutzbunds Nabu. Die Umweltaktivisten haben ein vermeintlich objektives Mittel gefunden, um die Luftverschmutzung durch die Passagierschiffe anzuprangern: ein Ranking der Schiffe, bei denen diejenigen oben stehen, die Umweltschutzmaßnahmen ergreifen. Doch eigentlich geht es den Umweltschützern um mehr. Sie wollen, dass die gesamte Schifffahrt umweltfreundlicher wird. Als Einfalltor dient die Kreuzfahrt – sie ist bei Endkunden populär, hier kann der Nabu Druck ausüben.

Das Kalkül: Öffentliche Empörung soll die Kreuzfahrtbranche dazu bringen, Umwelttechnik einzusetzen und so den Beweis zu liefern, dass umweltfreundlichere Schiffe generell möglich sind – auch in der wesentlich volumenstärkeren Containerschifffahrt. Aus der Kreuzfahrtbranche stammen nämlich nur rund drei Prozent der Schifffahrt-Emissionen.

Wie Kreuzfahrtschiffe beim Abgastest des Nabu abschneiden
Dreckige Kreuzfahrtschiffe
1 von 7

Weil Kreuzfahrtschiffe mit Diesel – und häufig auch mit Schweröl betrieben werden, gelten sie als umweltschädlich. Organisationen wie der Naturschutzbund (Nabu) machen mobil. Die Umweltschützer haben die Abgasbelastung von 63 Kreuzfahrtschiffen untersucht und daraus ein Ranking erstellt. Punkte gab es für Schiffe, bei denen die Abgasreinigung über gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen hinausgingen. Am Besten schnitten die deutschen Reedereien Tui, Hapag Lloyd und Aida ab. Doch die Naturschützer schränken ein: „Auch in der siebten Auflage des Kreuzfahrtrankings ist weiterhin kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa aus Umweltsicht uneingeschränkt empfehlenswert“.

Platz 4: Cunard und andere
2 von 7

Auf dem letzten Platz des Nabu-Rankings landen all jene Schiffe, für die die Reedereien aus Sicht der Umweltschutzorganisation keine Anstrengungen unternehmen, den Stickoxid-Ausstoß der Flotte zu reduzieren. Dazu zählen neben den Schiffen der Großreedereien Royal Carribean, MSC und Costa auch Cunards Flaggschiff – die Queen Mary 2.

Platz 4: Aida
3 von 7

Auch die älteren Schiffe von Aida fallen bei den Untersuchungen des Nabu durch: Die Aida Vita und vergleichbare Schiffe teilen sich mit dutzenden anderen Kreuzfahrern die hintersten Ränge.

Platz 3: Hapag-Lloyd „Bremen“, „Hanseatic“, „Europa“
4 von 7

Der Nabu sieht diese Schiffe des Hamburger Reeders auf Platz drei: Die ab 1990 gebauten Schiffe gingen wenigstens minimal über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus, urteilt die Naturschutzorganisation.

Platz 2: Aida Perla
5 von 7

Bei der Aida Perla und ihren Schwesterschiffen Prima und Sol reduzieren Stickoxidfilter die Umweltbelastung. Allerdings teilte Aida mit, die Katalysatoren nur dort anzuschalten, wo dies zugelassen sei. Der Nabu meint, bei allen bisherigen Messungen sei die Anlage abgeschaltet gewesen und stuft Aida daher zurück. Besser sollen Flüssiggas-Schiffe sein, die ab 2018 fahren.

Platz 1: Tui „Mein Schiff 3“
6 von 7

Besser stehen die jüngeren Schiffe der „Mein Schiff“-Flotte von Tui da: Die Mein Schiff 3, 4, 5 und 6 liegen auf dem ersten Platz des Nabu-Rankings. Die 2014 bis 2017 gebauten Freizeit-Schiffe für jeweils 2500 Passagiere verfügen über Stickoxid-Katalysatoren, welche auch nicht abgeschaltet werden. Den ersten Platz müssen sie sich jedoch teilen, mit der...

Platz 1: Hapag-Lloyd: „Europa 2“
7 von 7

... „Europa 2“ von Hapag Llyod. Das 2013 gebaute Schiffgehört mit 500 Passagieren zu den kleineren Kreuzfahrtschiffen. Auch dort werden Stickoxid-Katalysatoren eingesetzt. Allerdings berücksichtigten die Umweltschützer noch nicht, dass die Europa 2 mittlerweile im Hafen an Landstromanlagen angeschlossen werden kann. Dafür gab es zumindest am Terminal Hamburg-Altona erste Probeläufe. Mit Landstrom-Anschluss ist das Schiff im Hafen nicht auf die schmutzigen Dieselmaschinen an Bord angewiesen – damit hätte sich die Europa 2 den ersten Platz nicht mit der Konkurrenz von Tui teilen müssen.

Dietmar Oelinger vom Nabu Bundesverband schreibt sich bei einer Pressekonferenz bereits erste Erfolge auf die Fahnen. Es sei kein Zufall, dass ausgerechnet die auf dem deutschen Markt tätigen Anbieter Tui, Hapag-Lloyd und Aida im Ranking vorne lägen. Schließlich machten die deutschen Umweltverbände besonders viel Druck.

Inzwischen fahren Nabu-Mitarbeiter dafür auch in andere europäische Kreuzfahrthäfen. So präsentierten sie eine eigene Messung aus Reykjavik in Island. Hier habe der Nabu für zehn Minuten in der Rauchfahne Partikel-Belastungen gemessen, die dem Zehnfachen einer vielbefahrenen Straße entsprächen, sagt Oelinger.

In Deutschland sind die Belastungen vor allem in Hamburg relevant. Fast 40 Prozent der Stickoxidemissionen kommen in der Hafenstadt aus den Schiffschornsteinen. Damit sind die Belastungen vor allem in Hafennähe deutlich wichtiger als die umstrittenen Diesel-Autos.

Für den Luftreinhalteplan der Stadt ist das ein Problem, das auch Maßnahmen im Hafen erfordert. Es komme zu Belastungen, die 20-mal höher lägen als an dichtbefahrenen Stuttgarter Straßen, warnt der Nabu.

Auch in Wohnungen seien hohe Werte gemessen worden. Und: Solche Belastungen fänden sich naturgemäß auch an Deck der Schiffe. Falls der Nabu mit der Botschaft durchdringt, droht den Kreuzfahrt-Anbietern Zurückhaltung der Touristen.

Kurzfristig bleibt alles beim Alten
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Kreuzfahrtschiffe - Viel Rauch fürs Vergnügen

2 Kommentare zu "Kreuzfahrtschiffe: Viel Rauch fürs Vergnügen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Schiffsreisen machen, Diesel fahren, keinen Veggiday machen und dann noch Grün wählen.

    Das ist schlimmer als eine Doppelmoral!

    Und dann noch kirchlich sein.Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Und damit gegen die Globalisierung. Diese stinkenden Schiffe bringen nur Armut nach Europa.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%