Krise bei Malaysia Airlines
„Unfähig, sich dem Wettbewerb zu stellen“

Durch die verschwundene Boeing 777 rückt Malaysia Airlines in den Fokus. Die Staats-Airline gilt eigentlich als sicher, ist aber seit Jahren wirtschaftlich angeschlagen. Der Billigflieger Air Asia macht Druck.
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HongkongIn der notorisch unter Finanzproblemen leidenden Luftfahrtbranche stach Malaysia Airlines durch jahrelange Umstrukturierungen und Verluste hervor. Nach dem spurlosen Verschwinden eines ihrer Flugzeuge mit 239 Menschen an Bord wird der Fluggesellschaft nun weltweit noch deutlich unangenehmere Aufmerksamkeit zuteil.

Es gibt zwar keinen Hinweis darauf, dass der finanzielle Druck auf das Unternehmen und seine 19.000 Beschäftigten beim Verschwinden von Flug MH370 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking in der vergangenen Woche eine Rolle spielte. Doch die jüngste Enthüllung, dass der Copilot der Maschine vor zwei Jahren zwei weiblichen Passagieren erlaubte, den gesamten Flug im Cockpit zu verbringen, wirft Fragen über die Professionalität von führenden Mitarbeitern auf.

Unter asiatischen Fluggesellschaften erwarb sich Malaysia Airlines seit ihrer Gründung 1937 einen Ruf für hochklassigen Service und Sicherheit. In den vergangenen Jahren erhielt sie zahlreiche Preise für ihre Bordverpflegung, ihre Besatzungen und den allgemeinen Service. Der letzte tödliche Unfall ereignete sich vor fast zwei Jahrzehnten, als eines ihrer Flugzeuge in der Nähe der malaysischen Stadt Tawau verunglückte. Dabei kamen 34 Menschen ums Leben.

Doch die Auszeichnungen in den vergangenen zehn Jahren reichten nicht aus, um die Abwanderung der Passagiere zur Billigkonkurrenz zu stoppen, insbesondere an die 2001 vom malaysischen Geschäftsmann Tony Fernandes gegründete Air Asia. Die Discount-Wettbewerber expandierten rasch, während Malaysia Airlines langsam wie ein Supertanker agierte. Die Tatsache, dass sich die Fluggesellschaft im Staatsbesitz befindet sowie der Widerstand einer mächtigen Gewerkschaft erschwerten die Umstrukturierungsbemühungen.

Als Reaktion auf „einen Vorfall solchen Ausmaßes“ wie das Verschwinden eines Passagierjets dürften Reisende die Fluggesellschaft künftig meiden, sagt Shukor Yusof, ein Luftfahrtexperte bei S&P Capital IQ, einer Abteilung von Standard & Poor's. „Es macht die Dinge noch schlimmer.“ Und das Unternehmen werde auch darunter leiden, dass sich das Management nun auf die Suche nach dem verschollenen Flugzeug und den Umgang mit den internationalen Medien konzentriere statt auf das Geschäft, sagt Yusof.

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Vier Umstrukturierungen in zwölf Jahren

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