Krise der Brauereien: Den Deutschen vergeht der Bierdurst

Krise der Brauereien
Den Deutschen vergeht der Bierdurst

Der deutsche Biermarkt ist seit Jahren rückläufig. Auch 2013 mussten die Brauereien laut eines Magazinberichts Absatzverluste hinnehmen. Marktführer Oettinger verbuchte ebenfalls einen Rückgang.
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Wiesbaden/BerlinDie Deutschen trinken Jahr für Jahr immer weniger Bier. 2013 verkauften die Brauereien hierzulande nur noch rund 94,6 Millionen Hektoliter und damit die geringste Menge seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Der Absatz geht seit 2007 beständig zurück - zuletzt war er im Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 gestiegen.

Der Deutsche Brauer-Bund erklärte, schuld am Absatzrückgang um zwei Prozent sei vor allem das Wetter gewesen: „Auf den langen Winter folgte ein durchwachsener Sommer.“ Allein wegen der schrumpfenden Bevölkerung und „veränderter Konsumgewohnheiten“ müssten sich die Brauer mittel- und langfristig aber sowieso auf weiter sinkende Absatzzahlen einstellen.

Auch der Absatz von Bier gemischt mit Limonade oder Cola ging laut Statistik im vergangenen Jahr zurück, und zwar um knapp zwei Prozent auf 4,2 Millionen Hektoliter. Bier-Mischgetränke hatten 2013 einen Marktanteil von 4,5 Prozent.

Gestiegen sein dürfte dagegen der Verkauf von alkoholfreiem Bier und Malzbier, wie ein Sprecher des Brauer-Bundes AFP sagte. Der Absatz habe in den letzten Jahren regelmäßig zugelegt, „und wir gehen davon aus, dass der Trend weiter anhält“. Das Statistische Bundesamt erfasst alkoholfreies Bier und Malzbier nicht. Laut Brauer-Bund hatte alkoholfreies Bier 2012 einen Marktanteil von 4,3 Prozent am gesamten Bierausstoß.

Die deutschen Brauereien verkaufen das meiste Bier nach wie vor im Inland - nämlich rund 84 Prozent. Rund zehn Millionen Hektoliter gingen 2013 ins EU-Ausland (minus 8,6 Prozent) und 4,7 Millionen Hektoliter in Drittländer - ein Plus von knapp neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies sei ein „ermutigender Trend“, erklärte der Brauer-Bund. Im außereuropäischen Ausland wie in China oder in den USA stehe deutsches Bier wegen seines einzigartigen Geschmacks und „absoluter Klarheit und Reinheit“ hoch im Kurs.

Das meiste Bier wird laut Statistik in Bayern und in Nordrhein-Westfalen gebraut. In beiden Bundesländern wird demnach auch am meisten verkauft: Der Anteil am Absatz lag in Nordrhein-Westfalen bei 26,3 Prozent, der in Bayern bei 22,1 Prozent. Einen Rückschluss auf den regionalen Bierkonsum lassen die Angaben den Statistikern zufolge aber nicht zu.

In Deutschland gibt es laut Brauer-Bund mehr als 1300 Brauereien, die rund 5000 verschiedene Biere herstellen. Im laufenden Jahr würden sich die Produktionskosten „deutlich erhöhen“, prophezeite der Verband, weil die Preise für Rohstoffe, die Lohn- und Energiekosten sowie die Ausgaben für Verpackung und Vertrieb steigen würden. Ob in Folge auch die Bierpreise steigen werden, sagte der Brauer-Bund nicht, verwies aber auf den „enormen Preisdruck im Markt“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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