Krise der Werften
Regierung sucht neue Rettungswege

Mit ihren Konjunkturpaketen wollte die Bundesregierung die deutschen Werften durch die Krise bringen. Doch die Hilfsmaßnahmen schlagen nicht so gut an wie erwartet. Berlin hofft nun auf eine baldige Erholung der Branche - doch die ist bisher nicht abzusehen.

BERLIN. In der Bundesregierung wird nach neuen Wegen gesucht, die deutsche Werftindustrie über die Krise zu retten. „Die bisherigen Bürgschafts- und Kreditprogramme helfen nur in Einzelfällen“, hieß es in Regierungskreisen. Das Rettungsprogramm ist damit deutlich weniger wirksam, als man sich erhofft hatte.

Mit den Konjunkturpaketen I und II hatte die Bundesregierung auch für die maritime Wirtschaft ein Hilfsprogramm geschnürt: Es ermöglicht die Umfinanzierung laufender Kredite über die Staatsbank KfW, Festzinskredite nach der OECD-Exportkreditvereinbarung („CIRR“) und großzügige Bürgschaften. Diese Hilfen greifen allerdings nur, wenn die akuten Probleme in der Finanzierung liegen; gerade die Werften – und zunehmend auch die Reedereien – leiden jedoch unter dem Zusammenbruch des Schifffahrtsmarktes. Direkte Beteiligungen des Bundes oder der KfW an Werften, die als Auffanglösung noch wirken könnten, sind bisher zur Lösung der Krise nicht vorgesehen.

Seit Oktober sei weltweit kein einziges Schiff mehr bestellt worden, sagte ein Schiffbauexperte. Für die deutschen Werften komme erschwerend hinzu, dass sie einen Großteil der letzten noch nicht abgearbeiteten Aufträge über besonders günstige Finanzierungsmodelle für den Kunden hereingeholt hätten – inklusive Rücktrittsklauseln, die nun genutzt würden. Im Wirtschaftsministerium werde inzwischen ein Kapazitätsabbau von 30 bis 40 Prozent bei den Werften für unvermeidbar gehalten, hieß es in Regierungskreisen.

Einig sei sich die schwarz-rote Koalition aber darin, die maritime Wirtschaft aus Schiffbau, Reedereien und Häfen in Deutschland auf jeden Fall erhalten zu wollen. Bei Union und SPD sind die Küstengebiete mit Abgeordneten stark im Bundestag vertreten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihren Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern.

In Berlin wird erwartet, dass mit einer Erholung des Welthandels die Hafenwirtschaft automatisch wieder in Gang kommt, und die Reedereien mit Verzögerung wieder bessere Geschäfte machen. Allerdings erkundigten sich in den letzten Wochen auch verstärkt Reedereien nach Bürgschaften, hieß es weiter. Im Schiffbau sei die Lage mit Abstand am schwierigsten. Im zivilen Schiffbau müsse es darum gehen, noch stärker auf Spezialschiffe – Eisbrecher, Luxusyachten, Fähren – zu setzen, da im Containerschiffbau nicht mit einer schnellen Markterholung zu rechnen sei.

Für die insolvente Wadan-Werft an den ostdeutschen Standorten Rostock-Warnemünde und Wismar werde versucht, den Schiffbau auf Wismar zu konzentrieren. Für das Kaigelände in Warnemünde kämen andere Investoren infrage, etwa aus dem Windanlagenbau, hieß es in Regierungskreisen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
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