Krise des Karstadt-Konzerns
Merkel: Arcandor ist selbst schuld

Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor hat nach Meinung von Bundeskanzlerin die finanziellen Schwierigkeiten selbst verschuldet. Staatshilfen für die Karstadt-Mutter werden damit immer unwahrscheinlicher. Dennoch will Arcandor die Hilfen beantragen, kündigte der Konzern am Donnerstag an.

HB ESSEN/DÜSSELDORF/BERLIN. Natürlich habe die Bundesregierung ein Interesse daran, Arbeitsplätze zu retten, sagte Merkel am Donnerstagabend auf der Europa-Wahlkampfabschlusskundgebung der Berliner CDU. "Aber wenn ein Unternehmen schon im vorigen Juli in Schwierigkeiten geraten war, dann kann man heute nicht sagen, die Schwierigkeiten kommen aus der Finanzkrise", sagte die Kanzlerin.

"Aber wenn man anders als bei Opel reiche Eigentümer und gute Gläubiger hat, dann können die nicht einfach zum Staat rennen und sagen, nun soll mal der Staat helfen, sondern dann müssen die erstmal versuchen, sich selber zu helfen", forderte Merkel. "Wir geben denen Hilfe, die gut gewirtschaftet haben und durch die Krise unverschuldet in Not geraten sind."

Trotz allem aber will der schwer angeschlagene Konzern staatliche Rettungshilfe beantragen. Der Antrag werde entweder noch am Donnerstagabend oder Freitagmorgen eingereicht, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Zur Höhe der beantragten Hilfe wollte er sich nicht äußern. Arcandor hat bereits eine Bürgschaft im Umfang von 650 Millionen Euro beim Deutschlandfonds der Bundesregierung beantragt.

Eine Übernahme der Karstadt-Warenhäuser durch den Konkurrenten Kaufhof wird unteredessen immer wahrscheinlicher. Arcandor ist bereit, mit der Kaufhof-Mutter Metro über die vorgeschlagene Zusammenlegung zu einer "Deutschen Warenhaus AG" zu sprechen. Beide Seiten hätten inzwischen ein Spitzengespräch dazu vereinbart, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Donnerstag dpa in Essen.

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht die Metro-Vorschläge als mögliche Lösung der Arcandor-Probleme. Dies sei ein "interessanter Weg", sagte Guttenberg im Deutschlandfunk. Das Spitzengespräch soll nach dpa-Informationen in der kommenden Woche stattfinden. "Es muss ein gemeinsames Konzept erarbeitet und geprüft werden, ob die Zusammenlegung der Warenhäuser eine Option ist", sagte Koslowski.

Medienberichten zufolge favorisiert die SPD inzwischen einen Überbrückungskredit von mehreren hundert Mio. Euro für Arcandor über die staatseigene KfW Bankengruppe, um eine Insolvenz zu vermeiden. Voraussetzung sei eine signifikante Eigenleistung der Großaktionäre Schickedanz und Sal. Oppenheim sowie Fusionsverhandlungen von Karstadt und Kaufhof.

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