Krise kostet drei Manager den Job
Stühlerücken im Karstadt-Management

Die Krise bei Europas größtem Warenhauskonzern Karstadt fordert Opfer. Nach der Neubesetzung im Vorstand der Versandsparte müssen nun drei weitere Manager ihren Stuhl räumen. Der frühere Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff ist dagegen wie erwartet zum Karstadt-Quelle-Aufsichtsratschef gewählt worden.

HB ESSEN. Neben Verwaltungschef Ralf Pohl müssen der Bereichsvorstand für Multimedia- und Sport, Klaus Appelhoff, sowie Fashionvorstand Burkhardt Linse mit sofortiger Wirkung ihren Hut nehmen. Das beschloss der Aufsichtsrat der Karstadt Warenhaus AG in seiner Sitzung am Freitag. Neu in die Karstadt-Führungsriege kommt Helmut Klier, der bislang im Vorstand des Versandhandels (Quelle, Neckermann) saß. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Klaus Appelhoff, Burkhardt Linse und Ralf Pohl hätten ihre Mandate mit sofortiger Wirkung „in bestem gegenseitigem Einvernehmen“ niedergelegt, hieß es.

Der Vorstand der für das wichtige Warenhausgeschäft zuständigen Karstadt-Quelle-Tochter werde damit von bislang sechs auf vier Mitglieder verkleinert, sagte ein Unternehmenssprecher in Essen. Die Zuständigkeiten werden auf andere Posten verteilt. Der Vorstandsvorsitzende Helmut Merkel übernimmt zusätzlich Verwaltungsaufgaben, sein Stellvertreter Benedikt Best ist jetzt auch für den Bereich Sport zuständig.

Weniger überraschend war dagegen eine andere Personalentscheidung: Der frühere Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff (51) sei am Freitag bei der Sitzung des Konzernaufsichtsrates zum neuen Vorsitzenden des Gremiums gewählt worden, teilte Karstadt-Quelle am Abend mit. Er übernimmt das Amt von Hans Meinhardt (73), der den Vorsitz zum 30. Juni niederlegt. Middelhoff ist inzwischen Repräsentant der Londoner Investmentfirma Investcorp.

Geleitet wurde die Aufsichtsrats-Sitzung erstmals von dem neuen Karstadt-Quelle- Konzernchef Christoph Achenbach, der seinen Posten zum 1. Juni angetreten hatte. Achenbach hatte damit die Konzernführung von Wolfgang Urban übernommen. Beobachter stuften das erneute Stühlerücken im Management von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern als eine der ersten Amtshandlungen des neuen Chefs ein. Mit der Abberufung der umstrittenen Manager könne der Weg freigemacht werden für die geplante Neuausrichtung der Kaufhauskette, die seit zwei Jahren rote Zahlen schreibt.

Im ersten Quartal 2004 war der Konzernumsatz um 4,4 % geschrumpft auf 3,52 Mrd. €. Die Warenhäuser und Fachgeschäfte hatten insgesamt 3,9 % an Umsatz eingebüßt auf 1,54 Mrd. €. Der Konzern schließt bei einem anhaltend schwachen Umsatzverlauf nicht aus, im Gesamtjahr operativ rote Zahlen zu schreiben und steuert deshalb mit einem verschärften Spar- und Umbauprogramm dagegen.

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