Kriselnde Regio-Sparte
Bahngewerkschaft EVG widerspricht Lohn-Vorwürfen

Die DB Regio hatte zuletzt einen Gewinneinbruch verzeichnet. Die Bahn schiebt dies auf die jüngsten Lohnerhöhungen. Dem widerspricht die Gewerkschaft nun vehement – und greift die Unternehmensstrategie des Konzerns an.
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BerlinDer Gewinneinbruch bei der Deutschen Bahn hat nun auch Streit in der einstigen Vorzeige-Sparte DB Regio ausgelöst. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verwahrte sich am Freitag gegen Aussagen des Bahn-Managements, die jüngsten Lohnerhöhungen hätten das Geschäft im Nahverkehr getroffen. „DB Regio hat kein Lohnkostenproblem, DB Regio hat ein Problem mit einer schlüssigen Unternehmensstrategie – die ist nämlich nicht vorhanden“, kritisierte EVG-Chef Alexander Kirchner. Daher werde auf Drängen der Arbeitnehmer der DB-Regio-Aufsichtsrat am 22. August zu einer Sondersitzung zusammen kommen. Die Bahn äußerte sich zunächst nicht.

DB Regio war über viele Jahr der wichtigste Gewinnbringer des Konzerns mit hohen Profitspannen. Das Geschäft, das im Kern auf Aufträgen der Bundesländer für Pendler-Züge oder den S-Bahn-Betrieb beruht, war lange auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten stabil. Zuletzt hatte die DB aber zunehmend Aufträge an private Konkurrenten verloren. Dies ist für die Bahn besonders bitter, da derzeit milliardenschwere, langlaufende Verkehrsaufträge neu vergeben werden. In den ersten Monaten des Jahres konnte die Bahn nur etwa jede dritte Ausschreibung gewinnen, so dass ihr Marktanteil von derzeit noch rund 80 Prozent sinkt. Im ersten Halbjahr 2013 fiel der Umsatz von DB Regio um ein Prozent auf rund 4,4 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um über drei Prozent auf 433 Millionen. Der Konzern geht im Jahresverlauf von einem weiteren Gewinn-Rückgang aus.

Wenn sich die DB Regio im Wettbewerb bewähren müsse, dürfe dies nicht auf dem Rücken der Beschäftigten geschehen, sagte Kirchner weiter. Er verwies darauf, dass die Bahn und Konkurrenten einen Branchentarifvertrag geschlossen hätten. Die Bahn habe selbst erklärt, damit seien Lohndifferenzen nicht mehr wettbewerbsrelevant. „Damit hat sich die Frage der Lohnkosten als Wettbewerbsfaktor erledigt“, sagte Kirchner.

Nicht nur die Zahl der Aufträge macht der Bahn zu schaffen, die verbliebenen werden durch die Konkurrenz auch weniger attraktiv. Zuletzt hatte Nordrhein-Westfalen zudem für den Rhein-Ruhr-Express angekündigt, dass man nicht nur die Fahrzeuge selbst beschaffen werden, sondern auch die Instandhaltung ausschreibe. Derzeit ist es in Deutschland üblich, dass die Wartung von den Betreibern – also noch meist der DB – übernommen wird, was zusätzliches Geschäft und auch Arbeitsplätze in den Werkstätten des Konzerns sichert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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