Krisengespräch
Sparpläne der Bahn empören Arbeitnehmer

Bahnchef Rüdiger Grube und die im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn als Arbeitnehmer-Vertreter sitzenden Chefs der Eisenbahner-Gewerkschaften Transnet und GDBA, Alexander Kirchner und Klaus-Dieter Hommel, treffen heute in Berlin zu einem Krisengespräch zusammen. Das Krisengespräch soll die Fronten vor der kommenden Aufsichtsratssitzung aufbrechen.

DÜSSELDORF. Im Vorfeld der auf Mittwoch terminierten Aufsichtsratssitzung steht die Situation in der schwer angeschlagenen Transport- und Logistikbranche auf dem Programm. Themenschwerpunkt sind die massiven Einsparpläne des Bahn-Vorstandes für die Sparte DB Schenker Rail, die die Gewerkschaften bereits im Vorfeld der heutigen Sitzung abgelehnt hatten.

Die Konzernspitze erwägt nach Einschätzung aus Gewerkschaftskreisen, das Leistungsangebot im Schienengüterverkehr in großem Umfang zusammenzustreichen. Unter anderem wolle sie – wie schon vor einigen Jahren begonnen – das Netz der sogenannten „Güterverkehrsstellen“ in der Region mangels ausreichender Nachfrage weiter zusammenstreichen. An diesen Güterverkehrsstellen nimmt die Bahn Waggons von Firmenkunden mit eigenem Gleisanschluss zum Transport entgegen beziehungsweise liefert sie an diese zur Beladung aus.

Damit verbunden sei ein Abbau von bis zu 7 000 Arbeitsplätzen, 6 000 davon im Inland. Das entspreche einem Viertel der Arbeitsplätze in dieser Sparte.

Bis zum Wochenende bestritt die Bahn, dass es bereits Streichlisten für Jobs gebe. In Gewerkschaftskreisen hieß es aber, im Rahmen der von Grube angekündigten Konsolidierungsprogramme unter dem Namen „React“ gebe es verschiedene Modelle, bei denen zwischen 3 600 und 7 000 Stellen wegfallen würden. Bis zum Jahr 2014 sollen die Programme rund zwei Mrd. Euro einsparen. Betriebsbedingte Kündigungen kann die Bahn allerdings nicht aussprechen, da sie mit den Gewerkschaften bis Ende 2010 ein Beschäftigungsbündnis ausgehandelt hat.

Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, müssen einen Neuanfang im konzerninternen Arbeitsmarkt bei „DB Job-Service“ versuchen. In einem Brief an seine Führungskräfte hatte Edmund Schlummer, Deutschland-Chef von DB Schenker Rail, bereits Ende August die Manager aufgefordert, ihre Mitarbeiter angesichts des Ernstes der wirtschaftlichen Lage auf berufliche Veränderungsmöglichkeiten über DB Job-Service eindringlich hinzuweisen.

In Bahn-Kreisen heißt es, dass insbesondere in der Verwaltung und in Werken der Instandhaltung für viele Beschäftigte die Möglichkeit bestehe, in der alten Qualifikation, aber außerhalb der Güterbahn weiterzuarbeiten. Wie dramatisch die Situation ist, hatte auch Finanzchef Diethelm Sack bei der Präsentation der Halbjahreszahlen Ende August deutlich gemacht: Es sei nicht auszuschließen, dass die Zahl der Kurzarbeiter von derzeit knapp 7 000 bis Jahresende auf 10 000 ansteige.

Die Gewerkschaften werfen Grube vor, dass er für kurzfristige Ergebniseffekte mit einer weiteren Schließung von Güterverkehrsstellen „ganze Regionen in Deutschland vom Schienengüterverkehr abkoppeln“ würde. Die Bahn würde sich in ihrem Kerngeschäft einen zusätzlichen Wettbewerbsnachteil schaffen, erklärte Transnet. Ein GDBA-Sprecher sagte, Arbeitsplatzabbau und Kahlschlag seien „keine wirkliche Lösung“. Der Bahn-Vorstand müsse tragfähige Konzepte für den Güterverkehr vorlegen.

Grube hatte bei Präsentation der Halbjahresbilanz noch ein düsteres Bild von der wirtschaftlichen Entwicklung des Konzerns gemalt. An die Erfolge der letzten Jahre kann die Bahn nach seiner Darstellung frühestens in einigen Jahren anknüpfen. Nach den ersten positiven Signalen aus der Wirtschaft hat das Unternehmen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aber nicht aufgegeben. Im Bahn-Tower wird inoffiziell ein – nicht genannter – Konzernvorstand mit der Aussage zitiert: „Wir sehen Gras, aber noch keinen Rasen.“

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