Krisenjahr 2009
Deutsche Einzelhändler erleiden Umsatzrückgang

Die Einzelhändler in Deutschland sind mit einem vergleichsweise geringen Umsatzrückgang durch das Rezessionsjahr 2009 gekommen. Die Einnahmen sanken laut Statistischem Bundesamt um 2,4 Prozent. Zum Jahresende zogen die Geschäfte wieder etwas an, aber nicht so stark wie erwartet. Und für 2010 sind die Händler alles andere als optimistisch.
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HB BERLIN. Bereinigt um Preisveränderungen (real) lag der Rückgang bei 1,8 Prozent. Damit fielen die Einbußen von Fachgeschäften, Supermärkten oder Kaufhäusern deutlich geringer aus als bei den Exporteuren, wo die Umsätze um rund 15 Prozent einbrachen.

Dennoch verbuchte der Einzelhandel nominal das größte Minus seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1994. Immerhin kam dem Einzelhandel zugute, dass trotz der Rekordrezession in Deutschland die Arbeitslosigkeit kaum stieg.

Zudem wurden die Verbraucher durch die niedrige Inflation entlastet. Zum Jahresende zogen die Erlöse wieder an. Die Firmen hatten 0,8 Prozent mehr Umsatz in den Kassen als im November. Auch bereinigt um Preisveränderungen blieb ein Plus von 0,8 Prozent. Von Reuters befragte Analysten hatten damit gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Umsätze im Dezember um 1,8 Prozent.

Stark betroffen war im vergangenen Jahr der Versandhandel, wo die Erlöse um 4,3 Prozent sanken. Der gesamte Lebensmittelhandel setzte 1,8 Prozent weniger um. Nur mit pharmazeutischen Produkten, Kosmetik und Medizin machte die Branche ein Umsatzplus von 2,3 Prozent.

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland war 2009 mit fünf Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik. Für das laufende Jahr erwartet die Bundesregierung zwar wieder ein Wachstum von 1,4 Prozent. Damit wäre aber nur ein Teil der Verluste aufgeholt. Zudem befürchten Experten einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, was den Konsum dämpft.

Analysten zeigten sich angesichts der Einzelhandels-Zahlen skeptisch. „Der Trend lief nicht so toll. Das Jahr 2009 war für den Einzelhandel schwach“, sagte Simon Junker von der Commerzbank der Nachrichtenagentur Reuters. „Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen.“ Alexander Koch von Unicredit kommentierte: „Der Privatkonsum dürfte 2009 leicht zugelegt haben, aber nur wegen der Abwrackprämie. Das ist ein vorübergehender Effekt. Denn seit einigen Monaten gehen die Autoverkäufe deutlich zurück. Insgesamt rutschen wir mit einer Konsumrezession ins neue Jahr.“ Die Aussichten seien nicht sehr rosig. Ähnlich sieht es auch Andreas Scheuerle von der Dekabank: „Man hätte mehr erwarten können.“

Nach dem Rezessionsjahr 2009 peilen die deutschen Einzelhändler für dieses Jahr stabile Geschäfte an. Die Umsätze dürften nominal stagnieren, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDE, Stefan Genth, am Dienstag in Berlin. Bereinigt um Preisveränderungen ergebe das einen Rückgang um 0,5 Prozent. „Wir werden in diesem Jahr nicht abstürzen“, sagte Genth. Die Lage bleibe aber angespannt.

Die Perspektiven für die Händler seien bescheiden. „Auslöser für positive Umsatzimpulse sind nicht in Sicht“, sagte Genth. „2010 wird für den Einzelhandel kein Zuckerschlecken.“ Allerdings gebe es auch keine Anzeichen für deutliche Umsatzrückgänge.

Im vorigen Jahr erlitten die deutschen Einzelhändler mit 2,4 Prozent den stärksten Umsatzrückgang seit der Wiedervereinigung. In anderen Branchen wie der Industrie oder im Export lagen die Einbußen allerdings im zweistelligen Bereich.

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