Krisenstimmung
Gebäudemanager ausgebremst

Deutschlands Gebäudemanager leiden unter der Krise. Das Geschäft mit der Wartung und dem Betrieb von Immobilien ist zurückgegangen -insbesondere Kunden aus der Industrie bleiben aus. Spezialanbieter und Service-Sparten von Bau-Konzernen haben den Wettbewerb in der Branche zusätzlich verschärft.

FRANKFURT. Die Wirtschaftskrise bremst das Wachstum der Gebäudemanagement-Firmen. Nach einem Plus von 12,5 Prozent im vergangenen Jahr erwarten die 25 führenden Facility-Management(FM)-Unternehmen in diesem Jahr nur noch ein leichtes Umsatzwachstum von 3,5 Prozent. Dies geht aus einer Befragung von 88 FM-Dienstleistern hervor, die regelmäßig von der Unternehmensberatung Lünendonk durchgeführt wird.

„Im Moment wird jeder Euro zweimal umgedreht, alle treten auf die Bremse“, sagte Otto-Kajetan Weixler, Chef von Bilfinger Berger Facility Services über einen Trend in der Branche. Der Druck in der Krise, die Kosten zu senken, wird an die Dienstleister weitergegeben. Dies gilt vor allem für Kunden aus der Automobilindustrie. Davon dürfte zum Beispiel Voith Industrial Services betroffen sein. Das Geschäft mit Industriekunden sei in diesem Jahr deutlich rückläufig, bestätigte Wilfried Schmahl, Chef von Strabag Property and Facility Services den Branchentrend. Doch hoffen die Anbieter darauf, dass Unternehmen in der Krise verstärkt nicht zum Kerngeschäft gehörende Aufgaben auslagern, um die Kosten zu senken. Dies sei insbesondere bei Banken und Versicherungen der Fall, sagten Weixler und Schmahl. Doch durch den verschärften Wettbewerb um Aufträge nimmt auch der Druck auf Preise und Renditen in der FM-Branche zu, so Lünendonk-Geschäftsführer Jörg Hossenfelder. Er beziffert die durchschnittliche Umsatzrendite vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen der Firmen zwischen 2,5 und fünf Prozent.

Der Gesamtmarkt legte 2008 laut Lünendonk-Umfrage um 7,8 Prozent auf 56,1 Mrd. Euro zu. Für 2009 gehen die Unternehmen insgesamt nur noch von einem Plus von vier Prozent aus. Für 2010 rechnen die befragten Unternehmen mit einer Erholung. Vom Gesamtumsatz der Branche entfallen knapp 20 Prozent auf die 25 größten Unternehmen. Der Anteil der führenden FM-Anbieter steige seit Jahren, sagte Hossenfelder. Der Markt laufe sukzessive auf eine starke Spitzengruppe und ein atomistisches Folgefeld zu.

Die Service-Sparten der Baukonzerne gewinnen gegenüber den traditionellen Anbietern wie Dussmann, Wisag, Klüh, Piepenbrock und Gegenbauer immer stärker an Boden. Denn die Baukonzerne bauen das vergleichsweise profitable und stabile Servicegeschäft aus. Erstmals an die Spitze der Rangliste der deutschen FM-Unternehmen gesetzt hat sich Bilfinger Berger. Die Tochter Bilfinger Facility Services hat im Jahr 2008 M+W Zander übernommen. Die deutsche Service-Tochter des österreichischen Baukonzerns Strabag rückt durch die Übernahme der milliardenschweren DeTeImmobilien auf Platz zwei vor. Damit verdrängen die Baukonzerne die Berliner Dussmann-Gruppe, die seit Jahren auf Platz eins stand. Dussmann findet sich nun trotz eines Umsatzwachstums von 5,6 Prozent im Jahr 2008 auf Rang drei wieder. Werden allerdings die Auslandsumsätze dazu genommen, bleibt Dussmann mit 1,4 Mrd. Euro der größte FM-Anbieter. Mit Wisag findet sich ein weiteres Traditionsunternehmen unter den größten fünf Unternehmen, aber direkt gefolgt von Hochtief Facility Management, einer weiteren Tochter eines Baukonzerns.

Neuer Wettbewerb entstehe außerdem durch Spezialanbieter, die ihr Service-Portfolio systematisch ausdehnten, sagte Lünendonk-Beraterin Antonia Schultheiß. Beispielsweise erweitern Catering- und Sicherheitsunternehmen ihr Angebot, wie Compass Group, Sodexo oder auch W.I.S. Sicherheit+Service.

Trotz eines Umsatzes von 411 Mill. Euro im FM-Geschäft, so Lünendonk, ist die Thyssen-Krupp-Tochter Industrial Services erstmals nicht im Ranking berücksichtigt. Denn sie erzielt den Löwenanteil des zwei Mrd. Euro Umsatzes mit der Instandhaltung von Anlagen. Die Sparte steht bis auf die Stahlwerksdienste zum Verkauf. Nachdem ein Gesamtverkauf an der Krise und stark divergierenden Preisvorstellungen gescheitert ist, soll sie nun in drei Teilen veräußert werden. Bis Ende September soll es einen Abschluss geben. In zwei Fällen seien die Verkaufsverhandlungen weit fortgeschritten, sage Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz kürzlich. Die Sparte hat im ersten Halbjahr laut Zwischenbericht auf Grund des massiven Rückgangs bei den Dienstleistungen für den Automobilbau den Vorjahresgewinn nicht wieder erreicht, aber deutlich positiv abgeschlossen.

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