Kritik an konzerneigenen Läden
Sporthändler greifen Produzenten an

Der Sporthandel geht auf Konfrontationskurs zu Sportkonzernen wie Adidas, Puma und Nike und kritisiert die eigenen Läden der Konzerne. In den vergangenen Jahren haben die großen Sportartikelproduzenten immer mehr eigene Geschäfte und so genannte Factory Outlets eröffnet.

jojo MÜNCHEN. „Wir sind entschiedene Gegner der ständigen Ausweitung eigener Markengeschäfte der großen Hersteller“, sagte am Mittwoch Werner Haizmann, Präsident des Verbands Deutscher Sportfachhandel (VDS), in München. Auch die Hinwendung der Produzenten zum Fabrikverkauf würde dem Handel schaden, sagte Haizmann.

In den vergangenen Jahren haben die großen Sportartikelproduzenten immer mehr eigene Geschäfte und so genannte Factory Outlets eröffnet. Allein Puma, die Nummer drei weltweit, betreibt inzwischen 80 Läden und will jedes Jahr zwischen zehn und 20 neue aufmachen.

Allerdings sieht das der fränkische Hersteller nicht als Angriff auf die Händler. „Das ist kein zusätzlicher Wettbewerb für die Einzelhändler“, sagte Puma-Chef Jochen Zeitz jüngst im Handelsblatt-Interview. Puma siedele sich in Lagen an, die sich die lokalen Händler oft gar nicht mehr leisten könnten. Zeitz: „Insofern schaffen wir ein weiteres Schaufenster für die Marke und stärken dadurch die Nachfrage im Handel insgesamt.“

Der Sporthandel ist da ganz anderer Meinung und sieht durch Markenläden und Fabrikverkäufe vor allem die Gewinne der Konzerne steigen. Verbandspräsident Haizmann: „Im Gegensatz zu den jährlich zweistellig wachsenden Gewinnen unserer Markenpartner bewegen sich die Zahlen des Sporthandels im unteren einstelligen Bereich.“

Nicht nur der Handel leidet unter den Alleingängen der Konzerne. Auch die Münchener Sportmesse Ispo, die am kommenden Sonntag beginnt, spürt das Selbstbewusstsein der Unternehmen. Die größte Branchenschau der Welt muss in diesem Sommer ganz ohne Nike, Adidas und Puma auskommen. Die drei weltweit größten Hersteller präsentieren ihre Kollektionen statt auf der Messe lieber in ihren eigenen Ausstellungshallen. Da kein Einkäufer um diese Marken herum kommt, können es sich die Unternehmen leisten, der Ispo fern zu bleiben.

Allerdings hat die Sportbranche dieses Jahr insgesamt nichts zu klagen, denn Händlern und Herstellern geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Für 2006 erwartet der VDS ein Umsatzplus von knapp vier Prozent. In den ersten sechs Monaten kletterten die Fachhandelsumsätze um 3,5 Prozent auf etwa sieben Mrd. Euro.

Für eine Branche, die in den vergangenen Jahren mitunter mit schrumpfenden Einnahmen zu kämpfen hatte, sind das hervorragende Zahlen. Auslöser des guten Geschäfts sind ein schneereicher Winter, der für hohe Umsätze mit Skiausrüstung sorgte, sowie die Fußball-Weltmeisterschaft. Darüber hinaus ist das Interesse nach wie vor groß an Sportarten wie Nordic Walking, für die die Menschen Stöcke, spezielle Schuhe sowie Funktionskleidung brauchen.

Die rege Nachfrage im Handel spüren auch die Produzenten. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie (BSI) verzeichneten zuletzt zwei Drittel aller Mitglieder höhere Umsätze als im Vorjahr.

Ein Ende der guten Geschäfte ist nicht absehbar. „Wir werden den Schwung auch ins nächste Jahr mitnehmen“, sagte VDS-Chef Haizmann. Der Kaufmann geht fest davon aus, dass sich Fußballartikel auch inZukunft gut verkaufen lassen. Durch die WM würden sich viele Jugendliche jetzt für Fußball interessieren.

Den Optimismus stützten die Planungen des deutschen Marktführers Adidas. Die Franken erwarten zwar für nächstes Jahr ein leichtes Minus bei ihren Fußball-Umsätzen. Zur Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich verspricht das Unternehmen allerdings bereits neue Rekorde mit Kickschuhen und Bällen.

Dass das Geschäft mit Turnschuhen, T-Shirts und Tennisschlägern attraktiv ist, hat inzwischen sogar der Internethändler Amazon erkannt. Seit gestern bietet der US-Konzern auf seiner deutschen Seite auch Sportartikel an.

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